Was der Krieg mit Menschen macht

Bonifatius-Verlag und -Buchhandlung fragen im BONIforum: Kann man mit dem Krieg leben?

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Moderator Christof Beckmann (links) im Gepräch mit Jürgen Kappel, Klaus Prömpers und Thomas Müller. Foto: Flüter
veröffentlicht am 23.09.2016
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Paderborn. Die Bonifatius-­Buchhandlung in Paderborn hatte sich einen bedeutungsvollen Tag für ihr zweites „BONIforum“ ausgewählt: den Weltfriedenstag, der auf den Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen und den Beginn des Zweiten Weltkriegs fällt. Entsprechend lautete das Thema: „Was Krieg mit Menschen macht“.

von Karl-Martin Flüter

Die Frage ist berechtigt. Nach fast fünf friedlichen Jahrzehnten hat der Krieg Europa wieder eingeholt. Zuerst in den Bürgerkriegen in Jugoslawien und der Ukraine. Dann kamen die Flüchtlinge und ihre Erlebnisse und Traumata von Krieg, Gewalt und Verfolgung. Der Krieg ist wieder da, die Realität hat Einzug gehalten. Aber wie verändert uns das?

Von Radiojournalisten Christof Beckmann befragt, versuchten drei Fachleute Antworten zu geben: die Bonifatius-Autoren Jürgen Kappel und Klaus Prömpers sowie Thomas Müller, Leiter einer Flüchtlingsunterkunft in Soest. Kappel ist Fachmann für Militärseelsorge. Prömpers war viele Jahre lang ZDF-Korrespondent bei der NATO und bei der UNO.

Der Fernsehjournalist Klaus Prömpers hat oft genug erlebt, dass selbst in den obersten Etagen der Politik Ratlosigkeit herrscht. Ein ägyptischer Politiker hat Prömpers gestanden, was er wie viele andere Diplomaten mittlerweile über Syrien denkt: Der Bürgerkrieg müsse sich ausbluten, ehe er vor Schwäche eingestellt werden könne.

Es sind jedoch nicht die Kriege, die bluten, sondern die Menschen. Thomas Müller hilft den Opfern. In der Übergangseinrichtung für Flüchtlinge, die er in Soest leitet, kommen die traumatisierten Überlebenden an.

Müller kann anschaulich dar­über erzählen, wie das Leben in der Unterkunft zu einer „unfassbar schwierigen“ Belastungsprobe für viele Flüchtlinge wird. Eigentlich sollen sie dort nur wenige Wochen bleiben, manchmal wird daraus fast ein Jahr. Lethargie, Enttäuschung und Unsicherheit über die Zukunft stoßen die Menschen in tiefe Verzweiflung. Oft brechen die erlittenen Traumata auf. Die Mitarbeiter der Übergangsunterkunft versuchen zu helfen, wo es geht. Aber auch sie stehen an der Grenze der Überforderung und müssen darauf achten, nicht selbst zum Opfer der Umstände zu werden.

Das gilt auch für Soldaten der Bundeswehr, die zu Einsätzen ins Ausland ausrücken. Der Journalist Jürgen Kappel hat ein Buch über die Militärseelsorge geschrieben. Sie steht vor ganz neuen Herausforderungen, weil sie Soldaten nach schwierigen Einsätzen betreuen muss. Dennoch würde Kappel, der ehemalige „Zivi“, heute selbst seinem Sohn die Zustimmung nicht verweigern, entschiede sich der für einen soldatischen Beruf. Professionalität hilft in den schlimmsten Situationen ist die Überzeugung des studierten Theologen.

Gegen diesen erfahrungsgesättigten Pragmatismus setzte die junge Paderborner Slammerin Daniela Sepehri einen ganz anderen Akzent. Vor allem ihr Text „Mama“ packte die Zuhörer: der suggestive Monolog eines Kindes, das beide Eltern im Krieg verliert. Sepehris Unmittelbarkeit führte zurück zum Ursprung der Frage. Krieg greift so schrecklich in das Leben von Menschen ein, dass wir uns daran nicht gewöhnen dürfen. Auch wenn die Hoffnung auf eine Welt ohne Krieg aussichtslos erscheint.

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