Trauer wie bei einer Beerdigung

Die Kirche St. Pius in Bielefeld wurde profaniert – an ihrer Stelle entstehen Seniorenwohnungen

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Abschied von St. Pius: Weihbischof Dominicus verlas in einem Gottesdienst das Dekret zur Profanierung. Foto: Heinrich
veröffentlicht am 09.09.2016
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Bielefeld (jon). In einem festlichen Gottesdienst hat sich die Bielefelder Piusgemeinde von ihrer Kirche verabschiedet. Weihbischof Dominicus Meier OSB verlas das Dekret des Erzbischofs zur Profanierung der Kirche St. Pius. Im Anschluss an den Gottesdienst wurden das Allerheiligste, die Reliquie des heiligen Pius, das Evangeliar und das Altarkreuz in einer Prozession zur Marienkapelle im benachbarten Pflegewohnheim St. Pius gebracht.

„Ich vermute, dass viele von Ihnen heute daher hier in derselben Stimmung sind wie ich: Mich überkommt Trauer wie bei einer Beerdigung“, sagte Weihbischof Dominicus. „Diese Kirche ist vielen ans Herz gewachsen. Sich von ihr zu verabschieden, ist schwer.“ Doch wie bei der Verabschiedung von Menschen gelte auch hier: „Wir wollen nicht nur trauern, dass wir sie verloren haben, sondern dankbar sein, dass wir sie gehabt haben.“ Denn: „All das Gute, das von hier ausgegangen ist, ist ja nicht einfach weg. Es begleitet und prägt Ihr Leben auch weiterhin.“

Seit Oktober vergangenen Jahres hatte die Pfarrvikarie St. Pius ihre Gottesdienste schon nicht mehr in der Piuskirche sondern in der Marienkapelle gefeiert. Nach ihrer Profanierung ist die Kirche kein geweihter Ort mehr und kann abgerissen werden. Einen Zeitplan dafür gibt es noch nicht. An ihrer Stelle entsteht ein Haus mit mehr als 20 kleinen Wohnungen für ältere Menschen. Zurzeit werden die Pläne für das neue Haus erarbeitet und mit den Verantwortlichen im Erzbistum Paderborn abgestimmt. Bauherr ist der Verein für katholische Altenhilfe im Erzbistum Paderborn (VKA) mit Sitz in Hamm. Er ist auch schon der Betriebsträger des Pflegeheims.

Dass die Kirche St. Pius auf Dauer keine Zukunft haben würde, habe sich schon länger abgezeichnet, sagte Norbert Nacke, Pfarrer der Gemeinde St. Jodokus, zu der die Pfarrvikarie St. Pius gehört, dem DOM. Die Kirche war 1958 – bedingt durch den Zuzug vieler Katholiken – gebaut worden, jedoch nie selbstständige Pfarrei geworden. Durch den Bau des Ostwestfalendammes, die Bielefelder Stadtautobahn, sei das Gemeindegebiet zerteilt worden, erklärte Pfarrer Nacke. Viele Gemeindemitglieder hätten sich wegen der schlechteren Erreichbarkeit von St. Pius über nur eine Zufahrtsstraße in benachbarte Gemeinden umorientiert. Mit der Erweiterung des Pflegeheimes 2006 sei auch die Marienkapelle gebaut und bewusst künstlerisch wertvoll ausgestattet worden. Anfang 2015 hatten Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat dann einstimmig für die Profanierung votiert. Die Pfarrvikarie bleibe aber „ein wichtiger pastoraler Ort“ mit drei Gottesdiensten wöchentlich, betonte Pfarrer Nacke. Viele Ausstattungsstücke der Kirche werden an anderen Stellen verwendet. Der Altar, das Taufbecken, das Weihwasserbecken und die Sitzmöbel kommen in eine Kirchengemeinde in Dessau, die durch die Elbeflut ihre Ausstattung verloren hat. Die Orgel, obwohl in schlechtem Zustand, geht in eine Kirche in der Ukra­ine, die sich auf diese Weise überhaupt eine Orgel leisten kann. Für die Glocken gibt es eine Anfrage einer Kirchengemeinde aus dem Eichsfeld. Der Kirchturmhahn und die Apostelleuchter finden in Jöllenbeck eine neue Heimat. Die Läuteanlage wird in Schildesche eingebaut. Das Altarmosaik wird von einer Fachfirma gesichert und durch das Erzbistum eingelagert. Eventuell wird es an einer Wand im Innenhof des Piusheimes angebracht. Ebenso werden die Fenster bis zu einer Wiederverwendung eingelagert. Zwei der kleinen Fenster finden einen Platz in der Kirche St. Jodokus. Die übrige Ausstattung – Ambo, Tabernakel, Kreuzwegstationen und Wandrelief – wird ebenfalls eingelagert.

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