Ausverkauf eines Lebens?

Geistlicher Glaubensimpuls

veröffentlicht am 01.09.2016
Lesezeit: ungefähr 2 Minuten

Vermutlich war das eine beklemmende Situation, weil sie sich irgendwie verboten, mindestens unanständig anfühlte, obwohl dazu eingeladen worden war: die Versteigerung des Nachlasses von Heinz Schenk in dessen Privathaus.

von Claudia Auffenberg

Zu ersteigern gab es neben Bembeln auch Kunstgegenstände, Taschenuhren, technisches Gerät, einen Rollator, überhaupt alles, was der Entertainer und seine Frau im Laufe ihres Leben erworben, benutzt, geliebt haben. Dinge, an denen Erinnerungen hingen, die mit Schenks Tod verschwunden sind und an die nun neue, ebenso vergängliche Erinnerungen gehängt werden: an Fernsehabende bei Oma auf dem Sofa, an Samstage, wie es sie heute nicht mehr gibt und an die Zeit, in der man als Kind die Qualität einer Sendung daran erkennen konnte, dass es eine Tüte Chips dazu gab.

Dereinst wird es einem selbst so gehen: Irgendwer wird irgendwann die eigene Wohnung ausräumen, hoffentlich das ein oder andere Teil als Erinnerung mitnehmen und die ansonsten bedeutungslos gewordenen Stehrümchen entsorgen. Aber bitte, ein paar solcher schlichten Kostbarkeiten braucht der Mensch um sich herum.

Auch Heinz Schenk. Er war ein großer Sammler vor dem Herrn und doch hat er verfügt, dass sein gesamter Nachlass verkauft, also zerstreut wird und das Geld einer Stiftung zukommt. Sein erfolgreichstes Lied war „Es ist alles nur geliehen“, gewissermaßen die Schlagervariante von „Wir sind nur Gast auf Erden“. Das Kirchenlied ist ein düsteres, entstanden in einer düsteren Zeit: 1938. Heinz Schenk war Jahrgang 1924. Er kannte den Verlust von allem und daher vielleicht auch die Freude an allem und die Falle, in die man so geraten kann. Sein Lied ist ein Aufruf, das Leben realistisch zu sehen, denn „alle Güter dieser Erde, die das Schicksal dir verehrt,/ sind dir nur auf Zeit gegeben,/und auf Dauer gar nichts wert.“

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