„Wandel macht zukunftsfähig“

Ministerpräsidentin Kraft als Festrednerin beim Landvolk / Kritik an Landwirtschaftspolitik

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Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, die in diesem Jahr die Festrede bei der Landvolk-Kundgebung hielt, im Gespräch mit dem Direktor der Katholischen Landvolkshochschule, Monsignore Uwe Wischkony. Foto: Wiedenhaus
veröffentlicht am 05.08.2016
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Paderborn. Die Ministerpräsidentin als Festrednerin, dazu der passende Slogan „Nordrhein-Westfalen – ein attraktives, starkes und dynamisches Land“: Die rund 700 Besucher in der Paderhalle beim Tag des Landvolks zu Libori waren gespannt. Hannelore Kraft lieferte das ab, was man von einer Politikerin erwarten darf: Ein Bekenntnis zum ländlichen Raum, verbunden mit vielen Komplimenten für Ostwestfalen, seine Menschen, die Landwirtschaft und nicht zuletzt für Libori, das als Volksfest eine „Visitenkarte für die Region“ sei.

von Andreas Wiedenhaus

Das klang nett und höflich – allerdings manchmal auch etwas zu „abgespult“. Zumal auf der „Habenseite“ die eigene Leistung als Chefin der Landesregierung natürlich nicht zu kurz kam. Den meisten Applaus bekam allerdings nicht die Ministerpräsidentin, auch nicht der Erzbischof für sein Grußwort. Der größte Beifall in der Halle brandete auf, als Antonia Albers und Sebastian Aßhauer ihre Rede beendeten – und zwar mit diesem Satz: „Liebe Frau Kraft: Geben Sie das doch bitte an Ihren Land­wirt­schafts­minister Herrn Remmel weiter, der leider selbst nicht aus der Landwirtschaft kommt, aber mit seiner Politik uns das Leben schwer macht.“

Zuvor hatten die beiden Absolventen des landwirtschaftlichen Grundkurses der Katholischen Landvolkshochschule für zukünftige Betriebsleiter dargelegt, dass es kein Landleben ohne Landwirtschaft geben könne. Doch die Landwirte würden derzeit auf eine harte Probe gestellt.

Hinzukommt nach Ansicht der beiden eine ganze Reihe von Faktoren, die gerade der jungen Landbevölkerung die Zukunftsperspektiven rauben und die dringend auf die landespolitische Agenda gehörten: Etwa der öffentliche Nahverkehr und die damit verbundenen langen Schulwege oder die mangelnden beruflichen Aussichten.

So gossen Antonia Albers und Sebastian Aßhauer einen guten Schuss Wasser in den Wein, den die Ministerpräsidentin ihren Zuhörern zuvor so routiniert serviert hatte. Ist doch nach ihren Worten zwar noch nicht alles „in trockenen Tüchern“, doch das allermeiste dank der Landespolitik zumindest auf einem guten Weg: So stehe Ostwestfalen beispielhaft für Dynamik und Entwicklungsstärke des gesamten Landes, das immer wieder beweise, dass es „Wandel kann“, so Hannelore Kraft. Und deshalb sei Nordrhein-Westfalen zukunftsfähig.

Dass die Landwirtschaft derzeit vor vielen Herausforderungen stehe, hatte die Ministerpräsidentin ebenso festgestellt: Der Druck wachse enorm. Kraft: „Die Wertschätzung von Lebensmitteln und den vorangegangenen Arbeiten ist oft nicht gegeben.“ Die Landesregierung setze darauf, Dorfentwicklungen zu unterstützen, und auch seniorengerechtes Wohnen zu ermöglichen: „Wir wollen, dass das Leben auf dem Land attraktiv bleibt.“ Dabei vergaß die SPD-Politikerin auch nicht, den Bogen zur Kirche und zum christlichen Glauben zu spannen: Das Ziel, die Schöpfung zu bewahren, das auch die Politik vertrete, treffe im Besonderen auf die ländliche Region zu.

Erzbischof Hans-Josef Becker machte in seinem Grußwort einen weiteren Aspekt deutlich. „Es wird immer wichtiger, vernetzt zu sein: Wer online ist, gehört dazu; wer offline ist, bleibt draußen“, so der Erzbischof mit Blick auf die neuen Kommunikationsformen. Das Zukunftsbild für das Erzbistum Paderborn sei ein Zeichen dafür, wie die Kirche von Paderborn auf diese Trends reagiere.

Dabei habe das Erzbistum die interessante Entdeckung gemacht, dass nicht konkrete Aktionen oder Veränderungen an erster Stelle stünden, sondern Haltungen: die Haltung eines Lernenden und die Haltung der Vielfalt zu ermöglichen. „Lebendige Gemeinden, lebendige Dörfer gibt es nur mit lebendigen Menschen“, sagte Becker, der auf die Bedeutung einer dritten Haltung verwies: „Wir wollen fördern, was wächst. Strukturen, die nur noch aufrechterhalten werden, obwohl keiner mehr weiß, warum es sie noch gibt, können wir abschaffen. Damit entsteht Kraft für Neues, die wir dringend brauchen.“

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