„Einig in der Hoffnung“

Zum Leitwort des damaligen Papstbesuches

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Der Anker ist in der christlichen Ikonografie das Symbol für die Hoffnung. Foto: Xenia_gromak/photocase
veröffentlicht am 01.07.2016
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

So lautete vor 20 Jahren das Leitwort des Papstbesuches – ein ziemlich anspruchsvolles Motto! Damals hat man das gar nicht bemerkt, weil man doch, etwa in der DOM-Redaktion, von ganz konkreten Sorgen geplagt war. Die lassen sich allerdings durchaus so zusammenfassen: Hoffentlich klappt das alles.

„Einig in der Hoffnung“; das zielte natürlich auf die Ökumene, die in Paderborn ja gewissermaßen ihre deutsche Heimstatt hat. Die Christen also sind sich in Sachen Hoffnung einig. Das klingt kleiner als es ist. Seit Jahrtausenden beschäftigt die „Hoffnung“ alle großen Denker: Was ist Hoffnung genau? Ist sie etwas Gutes oder doch eher „das Übelste der Übel“, wie Nietzsche meinte, da sie die Qual des Menschen verlängere, weil sich nämlich Hoffnung nicht erfüllt? Sie ist im Menschen und ragt zugleich über ihn und seine Möglichkeiten, also auch über die Vernunft, hi­naus. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, heißt es oft – und damit motivieren sich z. B. Retter oder Ärzte, es weiter zu versuchen, auch wenn die Vernunft längst zum Aufgeben rät.

Als Christ des späten 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts geht man ja irgendwie davon aus, dass die Hoffnung sozusagen eine unserer Kernkompetenzen ist. Spricht nicht schon der Apostel Paulus von Glaube, Liebe und Hoffnung? Da erstaunt es, zu lesen, dass die Hoffnung zumindest bei den Theologen in Vergessenheit geraten und es ausgerechnet ein marxistischer Philosoph wie Ernst Bloch war, der daran erinnerte. In seinem Hauptwerk „Prinzip Hoffnung“ beschreibt er – sehr vereinfacht formuliert – die Bedeutung des Noch-Nicht, das Potenzial einer unerfüllten Verheißung. Für ihn war die Hoffnung eine dem Menschen innewohnende Triebkraft, um die Welt zum Guten zu gestalten und man musste dem Menschen nur die Gelegenheit geben, das zu tun, ihn also von allen Zwängen befreien. Gott kommt in diesem Denken nicht vor. Das rief die Theologen auf den Plan. Denn, ja, die Hoffnung wohnt dem Menschen inne, und ist, ja, ganz sicher ein starker Antrieb, aber: Sie ist auch konkret. Für die Bibel hat sie einen Ursprung und ein Ziel: Gott. Sie beruht auf der Erfahrung des Volkes Israel und blickt zugleich in die Zukunft. In seinem Brief an die Römer widmet sich der Apostel Paulus ausführlich der Hoffnung. Er erinnert zunächst an Abraham, der „gegen alle Hoffnung voll Hoffnung“ Gott geglaubt habe, um dann zur Zusage zu kommen: „Wir sind gerettet, aber noch ist alles Hoffnung.“ Da ist es wieder, dieses „Noch-Nicht“, christlich ergänzt durch ein „Auch-Schon“. Darum quält die Hoffnung nicht, sondern ermutigt und entlastet.

In jeder Messe wird das an sehr prominenter Stelle von der ganzen Gemeinde als Antwort auf die Wandlung formuliert: „… bis du kommst in Herrlichkeit.“

Das heißt also: alles Tun, alle Sorge, alle Angst, alle Siege und alles Glück sind vorläufig und münden in dem, der auf uns zukommt. Er ist schon unterwegs.

Claudia Auffenberg

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