Die Geburt der jungen Kirche

Die Freilichtbühne Hallenberg zeigt am Sonntag die Welturaufführung von „Maria Magdalena“

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Probe im Haus von Maria Magdalena: Regisseurin Birgit Simmler (rechts) gibt Anweisungen. Foto: Jonas
veröffentlicht am 10.06.2016
Lesezeit: ungefähr 5 Minuten

Hallenberg. Mit 90 Metern Breite, 10 Metern Höhenunterschied und Platz für 1400 Zuschauer ist es eine imposante Kulisse: Die Freilichtbühne Hallenberg wurde vor 70 Jahren in einem ehemaligen Steinbruch angelegt. Zum Jubiläum hat sich Regisseurin Birgit Simmler etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Eigens zum Jubiläum hat sie für den Passionsspielort zusammen mit dem renommierten Musical-Komponisten Paul Graham Brown ein Musical geschrieben, und zwar mit einem biblischen Stoff: „Maria Magdalena“ heißt das Stück, das an diesem Sonntag, 12. Juni, Welturaufführung feiert. Altabt Stefan Schroer von der Benediktiner-Abtei Königsmünster in Meschede wird die Premiere eröffnen.

Hinter einem kleinen bewaldeten Hügel wartet Saulus auf die Probe, tätschelt dabei den Kopf des „Kleinen Onkel“. Mit seinen charakteristischen, allerdings nur aufgemalten Flecken erkennen Kinder es gleich als Pferd von Pippi Langstrumpf. Der „kleine Onkel“ wartet auf seinen Einsatz. Denn vorn auf der Freilichtbühne Hallenberg übt noch das Ensemble des diesjährigen Kinderstückes, während die Darsteller des Erwachsenenstückes darauf warten, „Maria Magdalena“ proben zu können. Saulus ist dabei die Rolle des Bösewichts zugedacht. „In die Rolle musste ich erst reinwachsen“, erzählt Darsteller Daniel Glade. „Sehr skrupellos“ sei der Saulus doch vor seiner Bekehrung zum Paulus gewesen. Daniel Glade gehört zu 140 Aktiven, darunter einem 50-köpfigen Ensemble bei Maria Magdalena, die alle ehrenamtlich aktiv sind und viel Zeit für ihre Leidenschaft investieren. Seit Anfang des Jahres wird das Stück mehrmals wöchentlich geprobt. Alle Darsteller kommen aus Hallenberg und Umgebung.

„Das ist eine starke Förderung der Menschen hier“, erklärt Georg Glade, Vater des Saulus-Darstellers und zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. „Man sieht die Entwicklung der Sozialkompetenz, besonders bei den Kindern.“ Viele der Darsteller haben langjährige Erfahrungen gesammelt. Manche kommen nach Jahren Unterbrechung auch wieder zurück. Wie „Saulus“ Daniel Glade, der nach zehn Jahren „Pause“ wieder in der Heimat ist. Mit der Erfahrung als Sänger einer Band, seiner klassischen Gesangsausbildung und seiner Liebe für die Schauspielerei ist die Hauptrolle in dem Musical für den 31-Jährigen ein echter „Glücks­fall“, sagt er. „Das vereint meine beiden großen Leidenschaften Musical und Theater.“

Schon ihr ganzes Leben bei der Freilichtbühne dabei ist Manuela Winter alias Maria Magdalena. Schon als Vierjährige stand sie 1990 auf der Bühne. Die zeitintensiven Proben gehören zu ihrem Leben. „Ich werde wahnsinnig, wenn ich zu Hause sitze“, sagt sie und lacht. Kurz vor der Uraufführung probt die Truppe jeden Abend drei Stunden lang. Dass es am Sonntag sogar eine „Welturaufführung“ mit einem biblischen Stoff wird, ist für sie etwas ganz Besonderes. „Maria Magdalena spielt man nicht alle Tage. Da bin ich schon stolz, dass ich sie spielen darf.“

Das Musical „Maria Magdalena“ ist die dritte Koproduktion von Birgit Simmler und Paul Graham Brown. „Ich bin sehr glücklich, dass ich mit ihm zusammenarbeiten darf“, sagt Birgit Simmler. Für sie ist es in diesem Jahr auch ein Jubiläum: Seit zehn Jahren führt sie Regie in Hallenberg. Den Rest des Jahres ist die Regisseurin, die schon Erfahrung am New Yorker Broadway und auf verschiedenen europäischen Bühnen gesammelt hat, Kulturreferentin und Intendantin der Biedenkopfer Schlossfestspiele. Ihr Werk ist auch das erste Stück, das eigens für die Freilichtbühne Hallenberg geschrieben wurde. Die Naturbühne sieht Birgit Simmler als eine besondere Herausforderung. Diese erlaube auch, mit vielen Menschen zu arbeiten, etwas, was sie sehr gern tut. „Ich liebe Freilicht. Ich arbeite gern mit der ,Masse Mensch“, sagt sie. Für die ist auf der 90 Meter breiten Bühne genug Platz.

Da Hallenberg eine Tradition als Passionspielort hat – alle zehn Jahre wird die Passion aufgeführt, zuletzt 2010 – habe es nahegelegen, einen religiösen Stoff aufzugreifen, erzählt Birgit Simmler. „Die Auseinandersetzung mit dem Glauben ist hier sehr stark verankert.“ Grundlage für das Musical seien die ersten sieben Kapitel der Apostelgeschichte. Das Stück zeigt damit die Geburt der jungen Kirche. „Einiges musste ich dazu erfinden, aber ich wollte auf keinen Fall etwas verfälschen.“ Das Musical erzählt die früheste Episode der Christenheit nach Christi Tod aus der Perspektive einer Frau. Maria Magdalena als eine starke Frauengestalt interessierte die Autorin besonders. „Das beschäftigt die Leute auch aktuell“, ist sie überzeugt. Starke Frauengestalten faszinieren.

Die Lieder sind übrigens auf die einzelnen Hallenberger Darsteller zugeschnitten. „Vor der Komposition hat Paul Graham Brown die Schauspieler ausgetestet und dann eigens für sie komponiert“, berichtet Birgit Simmler. „Die Stimmen fühlen sich deshalb sehr wohl, die Tragfähigkeit ist enorm.“ Zum Einstudieren der Lieder war extra der österreichische Schauspieler, Sänger und Musicaldarsteller Markus Pol vier Wochen in Hallenberg.

Anlass für das aktuelle Jubiläum der Freilichtbühne ist übrigens ein anderes Jubiläum: Die 1746 gegründete katholische Burschenschaft in Hallenberg wollte 1946 das 200-jährige Bestehen mit einem Theaterstück feiern. Das örtliche Wirtshaus war aber wegen kriegsbedingter Einquartierungen besetzt. „Da hat man im Gelände geschaut und den alten Steinbruch gefunden“, weiß Georg Glade zu berichten. Als das Jubiläumsstück von einem heftigen Gewitter unterbrochen wurde, musste das Stück wiederholt werden. Und das wegen des großen Erfolges dann noch mehrmals. Da lag die Idee eines Freilichttheaters nahe. Als 1950 ein Heiliges Jahr anstand, wurde auf Betreiben des damaligen Pastors Gerhard Reker die Passion aufgeführt. „Die Welt braucht eine geistliche Erneuerung“, war seine Überzeugung. In der Folge wurde beschlossen, die Passion alle zehn Jahre zu wiederholen. „Da passt es, dass der Papst dieses Jahr ein Jahr der Barmherzigkeit ausgerufen hat“, sagt Georg Glade. Ein weiterer Anlass für den besonderen Stoff des Musicals „Maria Magdalena“.

Markus Jonas

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