„Die Leute brauchen die Sachen“

Der erste Verkaufstag im Bad Lippspringer Kolping-Shop zeigt: Er wird dringend gebraucht

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Interesse und Gedränge waren groß im Kolping-Shop. Foto: Flüter
veröffentlicht am 29.04.2016
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Bad Lippspringe. Die Bad Lippspringer Kolpingsfamilien haben einen Kolping-Shop für Kleinmöbel, Geschirr und Elektro­geräte eröffnet. Die Idee kommt an. Viele Flüchtlinge sind froh, ihren kargen Haushalt günstig ausstatten zu können. Und viele Einheimische freuen sich, dass ihre längst nicht mehr gebrauchten Gegenstände jetzt sinnvoll genutzt werden.

Eine halbe Stunde vor Öffnung stehen die ersten Kunden vor der Ladentür. Auch drinnen steigt die Spannung beim Kolpingteam.

Es ist der erste Verkaufstag für den Kolping-Shop in Bad Lippspringe. Seit Wochen haben sich die bis zu 25 ehrenamtlichen Mitarbeiter vorbereitet. Jetzt wird sich zeigen, ob ihr Konzept trägt.

In zwei Räumen einer ehemaligen Steinmetz-Werkstatt an der Bielefelder Straße häufen sich Küchenutensilien und Elektrogeräte, kleine Möbel, Decken und Kleidung. „Mehrere Tausend Gegenstände sind in den letzten drei Wochen zusammengekommen“, schätzt Georg Heukamp, einer der Initiatoren. Die Bad Lippspringer sind dem Aufruf der beiden Kolpingsfamilien im Ort in großer Zahl gefolgt. Innerhalb von drei Annahmetagen hat sich der neue Kolping-Shop gefüllt – und auch die Helfer teilweise ein wenig überfordert. Doch jetzt hat alles seine Ordnung. Das gilt auch für das Ausgabesystem. Um jedem die gleiche Chance zu geben, hat sich Georg Heukamp ein Ticketsystem einfallen lassen. Jeder Flüchtling oder Asylbewerber aus Bad Lippspringe, der älter als 16 Jahre ist, erhält eine Kundenkarte, die beim Besuch im Kolping-Shop vorgelegt wird.

Auf wöchentlich aktualisierten Aushängen teilt das Kolpingteam mit, welcher Karteninhaber in dieser Woche an der Reihe ist, den Shop zu besuchen. Bei 189 ausgegebenen Kundenkarten ist gewährleistet, dass jeder Anspruchsberechtigte alle drei Wochen einkaufen kann.

Schon wenige Minuten nach der Eröffnung ist zu erkennen, dass sich das Kundenkarten-Konzept bewährt.Das Gedränge hält sich in Grenzen, obwohl das Interesse Fortsetzung Seite 34

groß ist. Viele Besucher wissen bereits, was sie wollen. Sie haben sich schon bei der feierlichen Eröffnung vor einer Woche über das Angebot informiert.

Schon bald schleppen die ersten ihren Einkauf in Kisten zur Kasse. Jeder Besitzer einer Kundenkarte hat Anspruch auf zwei Anschaffungen. Ein mehrteiliges Service gilt als ein Einkauf, ebenso ein Set mit mehreren Töpfen. Bei einem Ehepaar mit einem Kind über 16 kann da einiges zusammenkommen.

„Die Leute brauchen die Sachen“, sagt Georg Heukamp. Das Starterset, das jeder Flüchtling bei der Ankunft erhält, sieht beispielsweise einen kleinen Topf vor. Das hilft nicht, wenn für mehrere Leute gekocht werden soll. Ähnlich ist es mit vielen anderen Gebrauchsgegenständen für den Alltag. Es fehlt an allem. Eine Frau sieht einen Föhn und greift mit einem Lächeln zu. Eine warme Decke für die kalten Nächte – endlich! Einen Teppich, Kinderspielzeug, Sessel und Gartenstühle, Bücher und Nachttischlampen: nichts, was nicht gebraucht wird.

Die vielen gut erhaltenen Waren gehen nicht umsonst über den Tisch. Für alles ist ein geringes Entgelt zu entrichten. Die Einnahmen fließen zurück in die Anschaffungen und laufenden Kosten – viel finanzieller Aufwand für den Betrieb fällt allerdings nicht an. Die Miete zahlt die Stadt Bad Lippspringe, das Team arbeitet ehrenamtlich.

Sorge, dass die Bestände im Kolping-Shop schnell aufgebraucht sein könnten, hat Georg Heukamp nicht. „Wir haben bereits Aufrufe im Pfarrbrief gestartet“, sagt er. Es gibt viele Leute, die die Gelegenheit nutzen, um bei sich zu Hause aufzuräumen.“

Draußen warten die nächsten Kunden – bis zu acht Leute werden eingelassen, sonst wird es drinnen zu eng. Die Käufer, die den Laden glücklich verlassen, werden begrüßt, ihre Einkäufe einer raschen, manchmal einer leicht neidischen Musterung unterzogen. Für einen Menschen, der buchstäblich mit dem hier angekommen ist, was er auf dem Leib trug, ist jede neue Anschaffung wichtig: Startkapital für ein neues Leben.

Karl-Martin Flüter

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