„Die Eltern wollen keine Veränderungen“

In Paderborn haben Eltern über den Fortbestand von vier katholischen Bekenntnisschulen entschieden

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Wo finden Kinder einen verlässlichen Rahmen? Blick in die Ganztagsbetreuung einer Offenen Ganztagsschule. (Foto: Flüter)
veröffentlicht am 24.03.2016
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Paderborn. Die Eltern an drei katholischen Grundschulen in Paderborn haben sich gegen eine Umwandlung ihrer Schule in eine Gemeinschaftsgrundschule ausgesprochen. An einer vierten Schule sprachen sich die Eltern für das Ende der katholischen Bekenntnisschule aus.

Die Abstimmungen fanden im Februar und März statt. An den Grundschulen St. Heinrich, St. Elisabeth und der ­Bonifatius-Grundschule sprachen sich klare Mehrheiten gegen eine Umwandlung aus. An der Stephanusschule entschied sich eine ebenso deutliche Mehrheit für eine Veränderung. Ab dem kommenden Schuljahr wird diese Schule als Gemeinschaftsschule weitergeführt.

Paderborns Sozialdezernent Wolfgang Walter zeigte sich von dem Ergebnis nicht überrascht. „Viele Eltern hat das kaum interessiert, sie wollen keine Veränderungen“, sagt er. Die Diskussion habe vor allem in der Kommunalpolitik stattgefunden. Im Alltag mache sich der Unterschied zwischen einer Bekenntnisschule und einer Gemeinschaftsschule kaum bemerkbar.

Der Paderborner Dechant Benedikt Fischer begrüßte die „eindeutigen Entscheidungen“. Die Trägervielfalt bleibe gewahrt. Im Fall der Stephanusschule bestünden weiterhin sehr gute Kontakte mit der katholischen Kirchengemeinde, sodass die Umwandlung keine großen Veränderungen zur Folge habe.

In der Bonifatiusschule war ein muslimischer Vater gegen den Schulleiter vor Gericht gezogen, weil er seinen Sohn benachteiligt sah. Daraufhin hatte das Verwaltungsgericht Minden die Stadt Paderborn als Schulträger dazu aufgefordert, den Bedarf der Eltern zu ermitteln und das Verhältnis Bekenntnis- und Gemeinschaftsschulen anzupassen. Trotz dieser Vorgeschichte stimmte auch die Elternschaft der Bonifatiusschule für den Erhalt als Bekenntnisschule.

Warum das Ergebnis dagegen in der Stephanusschule derart deutlich gegen die katholische Bekenntnisschule ausgefallen ist, konnte der Paderborner Sozialdezernent nicht beantworten. Wie die Bonifatiusschule liegt die Stephanusschule in der Paderborner Stadtheide, in der überdurchschnittlich viele Zuwandererfamilien leben.

In einer katholischen oder evangelischen Bekenntnisschule müssen muslimische Eltern unterschreiben, dass ihre Kinder katholisch unterrichtet und erzogen werden. Islamischer Religionsunterricht findet in der Regel nicht statt, weil – genauso wie an Gemeinschaftsschulen – ausgebildete Religionslehrer fehlen. Die christlichen Gottesdienste sind auch an Bekenntnisschulen nicht verpflichtend. 12 von 21 Grundschulen in Paderborn sind katholische Bekenntnisschulen, eine ist evangelisch.

Der Anteil der katholischen Schüler an den vier betroffenen Schulen liegt überall deutlich unter 50 Prozent. Bleibt das in den kommenden drei Jahren so, würden die Eltern dort erneut über den Status als Bekenntnisschule befragt.

Wenn weniger als die Hälfte der Schüler einer Bekenntnisschule dem betreffenden Bekenntnis angehören und dies über einen kontinuierlichen Zeitraum von drei Jahren, greift ein Automatismus. Dann können die Eltern dort über die Umwandlung in eine Gemeinschaftsschule abstimmen. Die Landesregierung hat diese Anpassung an Elternwünsche gesetzlich erleichtert. Es ist also möglich, dass die Bekenntnisschule in Zukunft ein Thema bleibt.

von Karl-Martin Flüter

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