Erlöste Welt?

Zu den Zeichnungen im Gotteslob von Monika Bartholomé

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Ein Kreuz als Landeplatz für Singvögel? Die Zeichnung, um dies in diesem Beitrag geht, können wir aus urheberrechtlichen Gründen im Internet nicht zeigen. Sie finden Sie in der Printausgabe des DOM auf Seite 18 oder im Gotteslob unter Nr. 683,1.
veröffentlicht am 04.03.2016
Lesezeit: ungefähr 2 Minuten

„Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst“, das ist gewissermaßen ein Kehrvers der Kreuzwegandacht, die auch ins neue Gotteslob aufgenommen worden ist. Sie beginnt unter Nr. 683.

Dieser Satz ist so dermaßen vertraut, dass man seine Fragwürdigkeit leicht überhören kann. Denn bitte: Wie ist die Welt durch das Kreuz erlöst worden – und wovon genau? Ist sie überhaupt erlöst? Zeigt einem die Tagesschau eine erlöste Welt?

Auf den Seiten, auf denen im Gotteslob der Kreuzweg beginnt, findet sich eine Zeichnung des Stammteils von Monika Bartholomé. Sie ist die letzte im Stammteil. Zu sehen ist – natürlich – ein Kreuz.

Natürlich?

Wenn man sie länger betrachtet, kommt doch eine gewisse Irritation auf. Die Zeichnung hat so etwas leichtes, fast tänzerisches. Unten scheint der linke Fuß zur Seite gestellt, oben die Arme ausgebreitet wie ein Sirtakitänzer, der auf Mittänzer wartet. Dann wieder erinnert die Zeichnung an einen alten Strommasten, wie sie manchmal an Feldrändern stehen. Vor dem inneren Auge sieht man schon die Vögel heranfliegen, die sich gleich auf den Querbalken setzen werden.

Beide Assoziationen haben mit Erwartung, mit Hoffnung zu tun – gegen die Schwere des Seins. Ein leichtes, fast heiteres Kreuz, eines, das seiner Bedrückung beraubt oder entlastet ist. Das Kreuz ist ein Mordwerkzeug, die Christen zeigen es als Symbol des Sieges, weil es selbst der Verlierer ist. Am Karfreitag wird ein leeres Kreuz enthüllt: „Seht, das Kreuz, an dem der Herr gehangen.“ Es hat verloren, es ist überwunden, es hat nichts Bedrohliches mehr. Das wirklich glauben zu können, wider alle Erfahrung, ist wohl ein lebenslanger Prozess. Vielleicht kann man damit anfangen, dass man das Kreuz nicht als Mittel der Pädagogik Gottes begreift. Und dass die Formulierung „durch dein heiliges Kreuz“ nicht im Sinne von „mit deinem Kreuz“, sondern wie „durch dein Kreuz hindurch“ verstanden werden kann. Und vielleicht dürfen wir glauben, dass, wenn Gott das Kreuz erfunden hätte, es eher ein Mittänzer oder Landeplatz für Singvögel geworden wäre.

Der heutige, vierte Fastensonntag trägt den Namen Laetare. Der Eingangsruf der Messe lautet: „Laetare, Jerusalem“, das heißt: „Freue dich, Jerusalem“. Der Priester trägt ein rosafarbenes Gewand: Das Violett der Bußzeit wird durch das Weiß des bevorstehenden Osterfestes schon aufgehellt.

In diese Richtung könnte man mitgehen.

Claudia Auffenberg

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