veröffentlicht am 18.12.2015
Lesezeit: ungefähr 2 Minuten

von Claudia Auffenberg

„Gott ist Mensch geworden“, ach, das ist ja so sein Satz, den man schon tausendmal in der Kirche gehört hat und der einem allzu vertraut durchrauscht. Doch plötzlich stolpert man.

Was bedeutet diese ungeheuerliche Aussage eigentlich, wie kann man sich ihr nähern? Vielleicht mal so: Was unterscheidet einen Menschen von Gott? Gut, wahrscheinlich alles, beschränken wir uns auf das Naheliegende: Ein Mensch hat ein Gesicht, eine Stimme, einen Körper, einen Geburtstag, einen Sterbetag. Ein Mensch ist sichtbar, riechbar, hörbar, anfassbar, konkret vorhanden. Er ist an eine Zeitspanne und an einen Ort gebunden. Er kann immer nur dort sein, wo er gerade ist. Selbst wenn er reist, ist er in jedem Moment nur an einem einzigen Ort.

Und nun ist Gott Mensch geworden. Damit wurde er das Gegenteil von dem, was er sonst ist, nämlich auch ziemlich konkret. Er hat sich vorübergehend an eine Zeit, an einen Ort, an eine Gegenwart gebunden. Warum bloß?

Regeln und Gesetze hatte er einst per Steintafel überreicht. Was das angeht, war schon vor 2 000 Jahren im Prinzip alles gesagt. Darum also muss es ihm wohl nicht gegangen sein. Die neue „Methode“ zielt offenkundig auf etwas anderes: auf Kontakt zu anderen Leuten, auf Begegnungen und Beziehungen.

Gott ist Mensch geworden könnte also heißen: In Jesus wird Gott Mensch unter Menschen. Die Evangelien erzählen übrigens nur Geschichten eines Menschen unter Menschen, es gibt kein neues Regelwerk. Die Methode ist die Regel: in Beziehung gehen, Menschen in die Augen schauen und sich selbst in die Augen schauen lassen.

Das mögen all die, die (von Amts wegen) im Namen Jesu agieren, nie vergessen; sonst würden sie womöglich nicht mehr in seinem Namen agieren.

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