Umkehr als Wegbereitung

Gedanken zu Lk 3,1-6

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Protestaktion von Klimaschützern auf einer winzigen Insel. In Paris findet derzeit der Weltkimagipfel statt. Umsteuern ist nötig, fordern viele - umsteuern ist möglich, sagt das Evangelium. Foto: picture-alliance
veröffentlicht am 04.12.2015
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Wegbereitung für Christus beginnt bei der Umkehr des Herzens.

Der 6. Dezember war schon immer ein ganz besonderer Tag. Heute feiern Menschen weltweit das Nikolaus- Fest, erinnern sich an diesen großen Heiligen. Die Dramaturgie der Vorweihnachtszeit gedenkt vieler besonderer Christusnachfolger, die nicht nur von der Liebe Gottes redeten, sondern angesichts fremder Not handelten: der hl. Martin, die hl. Elisabeth, der hl. Nikolaus. Obwohl diese Feste in unserer Zeit teils stark verfremdet und kommerzialisiert sind, fasziniert der Kern der Botschaft trotzdem. Die Sehnsucht nach Vorbildern ist ungebrochen.

Oder warum halten wir in unserer modernen und vorteilsorientierten Gesellschaft weiterhin die Erinnerung an solche provozierenden Menschen wach? Weil sie daran glaubten, dass es auch anders gehen kann. Dass Ungerechtigkeit, Leid und Not nicht unabwendbares Schicksal sind, sondern unsere Hände brauchen. Und dass die Infragestellung aller egoistischen Alltagslogik ein Ausdruck des Glaubens ist, dass Gott auch heute noch handelt, in dieser so komplexen und verstrickten Welt präsent ist.

Das Sonntagsevangelium leitet das öffentliche Wirken Jesu ein, nachdem Lukas zuvor die Besonderheiten von Geburt und Kindheit Jesu umschrieben hat. Mit knappen Zeitangaben belegt er die Historizität dieser Ereignisse. Was hier berichtet wird, hat also real stattgefunden. Und genauso wirklich wird das Handeln Gottes beschrieben, sein Ruf an Johannes. Dieser lebte jenseits der geregelten und bequemen Alltäglichkeit in der Wüste, in Einsamkeit und kompromissloser Eindeutigkeit. Ebenso radikal wie seine Wüstenerfahrung ist seine Botschaft. Als unbequemer Mahner fordert er seine Zuhörer auf, zu handeln, sich taufen zu lassen zur Vergebung der Sünden. Denn erst dann verändert sich alles. Im Vertrauen auf Gott werden Berge und Hügel abgetragen, können alle Menschen Gottes Heilshandeln erkennen. Auch Jesus Christus verwendet später dieses Bild seines Wegbereiters: Der Glaube kann Berge versetzen.

Welche Berge müssen heute begradigt werden, um Gerechtigkeit und Frieden auf der Welt voranzutreiben? Welche Berge an Aufgaben und Pro­blemen scheinen unüberwindbar? Was verhindert, dass sich Menschen religionsübergreifend näherkommen und gemeinsam die himmelschreienden Ungerechtigkeiten dieser realen Welt aus dem Weg räumen?

Johannes startet nicht mit einem allgemeinen politischen Programm, sondern fordert individuelle Konsequenzen; die Umkehrtaufe, um die persönliche Trennung von Gott zu überwinden. Denn erst wenn der Mensch seinen Teil der Verstrickung in Ungerechtigkeit, Trägheit und Unerlöstheit anerkennt, kann er freigesprochen werden, kann er wieder an die uralten Verheißungen glauben, dass Gott uns anrühren will, dass er in uns Erlösung real werden lässt.

Wie bei Nikolaus, der den Weg Jesu Christi konsequent weiter gegangen ist. Er war vom kindlich-naiven Glauben an die Veränderung der ungerechten Verhältnisse überzeugt, hielt die uralte Botschaft des Jesaja vom Anbrechen des Reiches Gottes auf Erden für wahr – und lebte danach. Lassen wir uns von diesem großen Vorbild immer wieder neu anrühren und in­spirieren. Möglichkeiten, ihm konkret nachzueifern, haben wir in diesen Tagen der Herbergssuche so vieler Menschen mehr als genug. Vertrauen wir auf Gottes Zusage und Beistand beim Überwinden von Bergen. Leisten wir unermüdlich weiterhin Dienste der liebenden Zuwendung, auch wenn der Wind der großen Hilfsbereitschaft zu drehen scheint.

Heute ist Nikolaus, in gut zwei Wochen Weihnachten: Gott wird Mensch – bereiten auch wir ihm den Weg!

Monika Porrmann

Die Autorin ist Referentin und stellvertretende Direktorin der Katholischen Landvolkshochschule Hardehausen tätig.

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