Heilige Familie im Alltag des Lebens

Gedanken zu Lk 2,22.39-40

Familie ist da, wo ich den Berg wieder hochgezogen werde.Foto: arthurbraunstein/photocase

 

Die Familie ist auch heute Lernort des Glaubens und des Lebens.

von Reinhard Hörmann

Es ist ein schöner und froh machender Anblick, wenn bei einer Tauffeier in der Kirche die ganze Familie anwesend ist und damit wohl verdeutlicht werden soll, dass sich alle über das Neugeborene freuen und bereit sind, bei Bedarf auf irgendeine Art und Weise Hilfestellung und Unterstützung zu gewähren. Einige Familienmitglieder haben vielleicht nicht mehr eine solch intensive Bindung zur Kirche, aber der Augenblick hier und jetzt scheint alle doch irgendwie zu berühren, was spätere Gespräche beim Kaffeetrinken bestätigen. Wir sind eine Familie und wir halten, wenn es da­rauf ankommt, zusammen! Nicht selten wird hier schon mancher „Traum“, die Zukunft des Kindes angehend, versprachlicht.

Ähnliches stelle ich auch bei Kommunionfeiern und bei Firmfeiern fest; auch bei solchen Gelegenheiten gilt es, locker gewordene Familienbande wieder zu straffen und sich wieder bewusst zu werden, welchen Stellenwert die eigene Familie und die Familie an sich für jeden Einzelnen (noch) hat. Das ist ermutigend, solche Bestrebungen festzustellen, zumal gerade der Begriff „Familie“ für die Einen oder die Anderen ein Reizwort zu sein schien und noch zu sein scheint.

Sogar die 17. Shell Jugendstudie aus dem Jahr 2015 stellte bei nicht wenigen Jugendlichen, seit dem Jahr 2002, eine Sinnesänderung fest. Unter der Überschrift „Familie als höchstes Gut“ heißt es: „ Hier findet eine große Mehrheit von ihnen den notwendigen Rückhalt und die positive emotionale Unterstützung auf dem Weg ins Erwachsenen­leben …“

Warum aber, so kurz nach Weihnachten, ein Fest der Heiligen Familie? Nicht wenige unserer Zeitgenossen und Gläubigen sind doch der Ansicht, dass Weihnachten das Fest der Familie sei. Das trifft sicherlich zu. Doch auch die Heilige Nacht geht über in den Alltag und in die damit verbundenen Probleme und Sorgen. Auch Maria und Josef mussten sich den pädagogischen, sozialen sowie den Anforderungen im Glauben stellen. Und sie taten dieses in unerschütterlichem Vertrauen zu Gott und ertrugen so manche Mühsal, manche Enttäuschung und manche Verwirrung, mit denen sich jede Familie auseinanderzusetzen hat. Das ist ein Teil der Botschaft des heutigen Festes der Heiligen Familie: Maria und Josef haben Jesus vor allem durch ihr Beispiel erzogen. Durch seine Eltern hat er die ganze Schönheit des Glaubens und der Liebe zu Gott kennengelernt. Die Heilige Familie von Nazareth ist in der Tat das Urbild jeder christlichen Familie.“ (Papst em. Benedikt XVI.)

Simeon und Hannah haben erkannt, dass diese kleine Familie, zusammengehalten durch das Band des Vertrauens in die Botschaft Gottes und der unbedingten Liebe zuei­nander, durch dieses Kind hi­neingenommen wird in eine Familie, die nach dem Willen Gottes weitaus größer gedacht ist, als Menschen es sich vorstellen können: „Dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird.“ Und zu dieser weitaus größeren Familie gehören wir, die Christen, die Kirche.

„Familie, werde, was du bist!“, so Papst Johannes Paul II. in seiner Enzyklika „Familiaris consortio“ aus dem Jahr 1981.

Du kleine und auch du große Familie, stelle dir jeden Tag aufs Neue die Frage, ob dein Fundament noch tragfähig genug ist, um dem Auftrag, den du von Gott erhalten hast, gerecht werden zu können! Auf die Frage, was für ihn Familie sei, soll ein junger Mensch einmal sinngemäß geantwortet haben: „Familie ist da, wo, wenn ich mal Mist gebaut habe, ich immer wieder zurückkommen darf.“

Zum Autor:

OStR a. D. Reinhard Hörmann ist Schulseelsorger am Haranni-­Gymnasium in Herne und Pastor in der Pfarrei Corpus Christi in Castrop-Rauxel.

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