Liebe hoch 3!

Gedanken zu Mt 22,34-40

Gottes-, Nächsten- und Selbstliebe haben ihre Wurzel in der Liebe Gottes zu uns.

von Maren Gödde

Liebe – wohl kaum ein Wort, welches so unterschiedliche Bedeutungen hat und welches oft so missverständlich gebraucht wird. In der Werbebranche wird dieses wichtige Wort sehr inflationär genutzt: ob wir Lebensmittel lieben sollen, Fastfoodketten oder Autos. Die Werbung gebraucht dieses kostbare Wort, hinter dem sich so viel verbirgt, für die Vermarktung profaner Produkte. Ebenso die Musikbranche – kaum ein Wort, welches so häufig Thema guter Musik ist. Und kaum ein Wort, welches so Unterschiedliches beschreibt, obwohl ein und dasselbe Wort gebraucht wird.

Ebenso im heutigen Evangelium. Es geht dort um drei unterschiedliche Arten von Liebe – und doch sind sie eng miteinander verwoben. Die Gesetzeslehrer wollen Jesus auf die Probe stellen und fragen, was das wichtigste Gebot sei. Ganz selbstverständlich antwortet dieser mit dem Gebot der Gottesliebe: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und all deinen Gedanken.“ Bevor der Gesetzeslehrer etwas erwidern kann, fügt Jesus das zweite – ebenso wichtige – Gebot hinzu: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“

Aber wie kann das sein? Was ist denn nun wichtiger? Gott lieben oder den Nächsten oder sich selbst? Natürlich sollen wir Gott mit allem, was uns zur Verfügung steht, lieben. Liebe zeigt sich aber nicht nur darin, dass ich mit meinem Mund bekenne: „Ich liebe dich“ – Liebe zeigt sich in konkreten Taten. Wenn ich einem Menschen zusage: „Ich liebe dich“, ihn aber behandle, als wäre er mein Sklave, dann kann das keine wahre Liebe sein. In der Regel müssen Liebende sich auch nicht ständig zusagen, dass sie sich lieben. Sie spüren es! Das mündliche Bekenntnis ist oft viel schwächer als das dahinterstehende Gefühl.

Wie aber kann ich Gott zeigen, dass ich ihn liebe? Zum einen, indem ich zu ihm spreche, mir Zeit für ihn nehme und (an)bete. Aber auch, indem ich mir klarmache: Gott liebt mich. Auch wenn ich mal nicht das tue, was ihm gefällt: Ich falle nicht aus seiner Liebe heraus! Er liebt mich, unendlich und bedingungslos.

Und deswegen sollte auch ich mich lieben. Das ist manchmal gar nicht leicht: Wie viel habe ich an mir selbst rumzumäkeln? Dies oder jenes hätte besser sein können. Ich könnte größer, kleiner, dicker, dünner, schlauer … sein. Ein Vergleich mit anderen macht dabei immer unzufrieden. Therapeuten haben Hochkonjunktur. Machen wir uns eigentlich klar, dass wir so geschaffen sind, wie Gott uns gewollt hat und wie er uns liebt? Hätte er uns anders gewollt, so hätte er uns anders gemacht!

Und nun zu der dritten Art der Liebe: Gott liebt nicht nur mich, sondern auch jeden anderen der fast 7,5 Milliarden Menschen auf dieser Welt! Daher sollte ich jedem Geschöpf, welches aus der Liebe Gottes geschaffen wurde, ebenso mit Liebe begegnen. Keine leichte Aufgabe! Besonders bei denen, mit denen ich mich schwer tue. Aber es verändert meine Perspektive, wenn ich mir klarmache, dass auch diese Menschen mit der gleichen Liebe geliebt sind.

Liebe3 heißt also: Wenn ich 1. Gott liebe und mit ihm in Kontakt bleibe, werde ich 2. erkennen, dass er mich wunderbar gemacht hat und mich unendlich liebt und 3. verstehen, dass auch alle anderen Menschen von ihm mit der gleichen Liebe geliebt sind. Dann kann ich nicht anders, als allen Menschen so zu begegnen, wie auch ich mir Begegnung wünsche. Wenn mir das gelingt, wird das mich und mein Umfeld verändern.

Welches ist also das wichtigste Gebot? Liebe3! Vielleicht können uns die vielen inflationär gebrauchten Liebesworte in Musik und Werbung immer mal wieder einen Denkanstoß im Alltag geben!

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