Was gehört Gott?

Gedanken zu Mt 22,15-21

Um diese Münze ging es beim Disput Jesu mit den Pharisäern wohl: Auf der Vorderseite ist links ist Kaiser Tiberius zu sehen, der zu Lebzeiten Jesu im Amt war; die Rückseite zeigt die Göttin Viktoria, vermutlich mit den Gesichtszügen Livias, der Mutter des Kaisers. Foto: Fritz Rudolf Künker GmbH & Co. KG, Osnabrück (c) Lübke & Wiedemann KG, Leonberg

 

Ehrfurcht vor der Schöpfung ist die Folge, wenn wir uns zu Gott als dem Schöpfer bekennen.

von Katharina Mock

Der Evangelist Matthäus erzählt uns im heutigen Evangelium, wie die Pharisäer Jesus in eine Zwickmühle bringen wollen. Auf den ersten Blick erscheint es so: Ganz gleich, was Jesus in diesem Falle auch sagt, seine Antwort ist verkehrt. So erhoffen es jedenfalls die Fragesteller. Würde Jesus sagen: Ja, es ist erlaubt, dem Kaiser Steuern zu zahlen, könnten sie ihm vorwerfen, dass er den römischen Kaiser als gottgleich anerkennt, was gegen das jüdische Gesetz verstößt: „Jahwe, unser Gott, Jahwe ist einzig“ (Dtn 6,4). Im Falle einer Verneinung ihrer Frage, hätten sie die Möglichkeit, Jesus als Staatsfeind anzuzeigen, der dazu aufruft, dem Kaiser die Steuern zu verweigern.

Jesus erkennt ihre Absicht und lässt sich nicht auf eine politische Diskussion ein. Mit seiner Frage nach der Steuermünze entlarvt er die Scheinheiligkeit der Pharisäer. Denn mit dem Vorzeigen einer solchen Münze verweisen sie gleichzeitig darauf, dass sie Steuern zahlen, also die Gesetze des Kaisers anerkennen. Jesus weist in seiner Antwort darauf hin, dass über den menschlichen Gesetzen noch eine andere Ordnung steht, das Gesetz Gottes. Seine Antwort lädt auch uns ein, darüber nachzudenken: Was gehört Gott? Die Münze, mit der üblicherweise die Steuern gezahlt werden, trägt die Aufschrift und das Bild des Kaisers, sie wurde im Auftrag des Kaisers geprägt. Deshalb soll er auch das bekommen, was ihm gehört.

In der Schöpfungsgeschichte, im Buch Genesis, wird uns gesagt, was Gott gehört. Er hat alles geschaffen, Land und Meer, Licht und Dunkel, Pflanzen und Tiere, alles trägt seine Prägung.

Ebenfalls lesen wir dort: „Gott erschuf also den Menschen; als Abbild Gottes schuf er ihn“ (Gen 1,27).

Gott ist der Schöpfer des Himmels und der Erde, so bekennen wir es im Glaubensbekenntnis. Deshalb können wir sagen: Die gesamte Schöpfung gehört Gott. Was bedeutet es dann aber: „Gebt Gott, was Gott gehört?“

Papst Franziskus schreibt in seiner Enzy­klika „Laudato si“, dass wir verantwortlich sind für unsere Schwester Erde: „Diese Schwester schreit auf wegen des Schadens, den wir ihr aufgrund des unverantwortlichen Gebrauchs und des Missbrauchs der Güter zufügen, die Gott in sie hineingelegt hat. Wir sind in dem Gedanken aufgewachsen, dass wir ihre Eigentümer und Herrscher seien, berechtigt, sie auszuplündern. Die Gewalt des von der Sünde verletzten menschlichen Herzens wird auch in den Krankheitssymptomen deutlich, die wir im Boden, im Wasser, in der Luft und in den Lebewesen bemerken. Darum befindet sich unter den am meisten verwahrlosten und misshandelten Armen diese unsere unterdrückte und verwüstete Erde, die seufzt und in Geburtswehen liegt (Röm 8,22). Wir vergessen, dass wir selber Erde sind (vgl. Gen 2,7). Unser eigener Körper ist aus den Elementen des Planeten gebildet; seine Luft ist es, die uns den Atem gibt, und sein Wasser belebt und erquickt uns. Nichts von dieser Welt ist für uns gleichgültig.“

Wenn uns heute im Evangelium gesagt wird: „… gebt Gott, was Gott gehört“, dann höre ich Jesus damit auch sagen: Bewahrt die euch anvertraute Schöpfung, geht wertschätzend mit euren Mitmenschen und mit euren Mitgeschöpfen um! Seid dankbar für die Gaben der Erde und vermeidet alles, was zur Ausbeutung von Mensch und Tier beiträgt. Nehmt die Heimatlosen bei euch auf, weil auch sie ein Abbild Gottes sind.

Auch an diesem Sonntag beten wir im Glaubensbekenntnis: „Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde …“ Dabei können wir daran denken, dass alles, was Gott gemacht hat, auch ihm gehört.

Zur Autorin:

Schwester M. Katharina Mock ist Generaloberin der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vincenz von Paul im Mutterhaus in Paderborn.

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