Aktuelle Ausgabe
2014-30

Steyler Missionare verabschieden sich nach fast 100 Jahren am Gymnasium St. Xaver in Bad Driburg

Das Ende einer Ära

Erzbischof Hans-Josef Becker (vorne links) und Prälat Theodor Ahrens (links neben Erzbischof Becker) verabschiedeten die Steyler Missionare aus Bad Driburg.

Bad Driburg. „Wir wollten etwas Katholisches im Westen“. Mit dieser Begründung begann im Dezember 1914 die Geschichte der Steyler Missionare in Bad Driburg. Nachdem die Trägerschaft der Schule 2001 an das Erzbistum Paderborn übergeben wurde, verließen immer mehr Patres den Ort, um ihre Missionsarbeit andernorts fortzusetzen. Zuletzt lebten noch sieben Patres und ein Bruder im Missionshaus St. Xaver. Diese wurden vergangene Woche in einem feierlichen Festakt verabschiedet.

Es war eine Feier, trotz der Abschiedsstimmung. So jedenfalls sahen es die Honoratioren in ihren Dankesreden. Ein Gottesdienst mit Erzbischof Hans-Josef Becker und Prälat Hans-Dieter Michel, dem Schulseelsorger des Gymnasiums St. Xaver, leitete den Festtag ein. Bereits dabei stellte der Erzbischof fest: „Es geht nicht alles nur bergab, es geht bergauf“ und machte deutlich, dass der Fortgang der Missionare nicht ein Ende bedeute, sondern einen Anfang. Umso wichtiger sei es auch, das jeder einzelne das Erbe des Ordensgründers Arnold Janssen in Bad Driburg weiterführe. Becker lobte die Verdienste der Steyler in der Welt, insbesondere deren Hilfe für Kranke und Schwache. Umrahmt wurde die Messfeier von einem Chor, bestehend aus den Musikkursen der Oberstufe des Gymnasiums St. Xaver.
Musikalisch ging es auch beim folgenden Festakt in der Aula der Schule weiter. Das Schulorchester unter der Leitung von Hans-Martin Fröhling spielte unter anderem Haydns „Abschiedssymphonie“.
Schulleiter Dr. Peter Kleine erinnerte anschließend besonders an den 5. Oktober 2003, als auf dem Petersplatz in Rom Ordensgründer Arnold Janssen heilig gesprochen wurde –  ein großer Tag für die Schule und den Steyler Missionsorden.
Wie viele andere Honoratioren sprach Kleine von „Wehmut, aber auch Dankbarkeit“. Damals wie heute hätten die Patres das Schulleben als Seelsorger und Ansprechpartner bereichert. Noch am 13. Juni hatte Pater Weissbrich den diesjährigen Abiturgottesdienst zelebriert.
Bad Driburgs Bürgermeister Burkhard Deppe sowie Prälat Theodor Ahrens, Leiter der Hauptabteilung Schule und Erziehung im Generalvikariat, brachten dem Publikum die Geschichte des Missionsordens näher. Als „Verrückter“ war Arnold Janssen gehandelt worden, als er 1875 im niederländischen Steyl den gleichnamigen Orden gründete, aber auch als „Heiliger“. Eine Gründung in Deutschland war wegen des Kulturkampfes nicht möglich. Janssen kaufte ein Gasthaus, um künftige Ordensmissionare auszubilden. Die Einweihung des Missionshauses 1914 in Bad Driburg war der Beginn der Patres im Kreis Höxter mit zunächst nur 20 Missionsschülern und 18 Ordensbrüdern. Im zweiten Weltkrieg wurde das Haus als Lazarett genutzt. Unter den Theologiestudenten der Nachkriegsjahre war auch der spätere Erzbischof Johannes Joachim Kardinal Degenhardt. Heute arbeiten die rund 10000 Mitglieder des Ordens auf allen Kontinenten.
2001 übergaben die Steyler Missionare dann die Trägerschaft des Gymnasiums St. Xaver an das Erzbistum Paderborn, um sich nun, sieben Jahre später, in „unser Seniorenheim“ zurückzuziehen, wie es Pater Heinz Schneider, Vizeprovinzial der deutschen Ordensprovinz bezeichnete. Gemeint ist das Missionshaus in St. Wendel im Saarland.
Die noch in Bad Driburg weilenden Patres vertrat Bruder Kunibert Müller, der als Letzter das Wort ergriff und in einer emotionalen Rede für die ermutigenden Worte dankte. Des weiteren wünschte er sich eine Weiterführung der Schule im Sinne des christlichen Weltbildes der Steyler Missionare und erinnerte am Ende seine Mitbrüder: „Gott vergisst uns nicht“.
Katharina Nickel


26.07.2014
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