Zuverlässig und fromm

Gerade weil das Leben von Jordan Mai nicht spektakulär war, fasziniert er Pilger noch heute

Die Übertragung der Gebeine von Bruder Jordan in die Franziska­nerkirche erfolgte 1950. Seine Verehrer kamen damals bereits zahlreich. Foto: Archiv der Gemeinde St. Franziskus / Repro: Maas

 

Dortmund. Warum wird ein Mönch, der bereits 1922 verstorben ist, noch immer von zahlreichen Menschen im gesamten Erzbistum Paderborn verehrt, obwohl sein Leben alles andere als aufsehenerregend war? „Nein, Bruder Jordan war nicht spektakulär, er war eher kränklich und lebte zurückgezogen in der Klostergemeinschaft.“ Auch der Franziskaner-Bruder Klaus Albers ofm und Annette Stöckler vom Bruder-Jordan-Werk können die Verehrung nicht zu 100 Prozent fassen.

von Wolfgang Maas

„Da gibt es eine Lücke, das ist auch soziologisch interessant“, findet Bruder Klaus. Für Annette Stöckler liegt der Schlüssel in der tiefen Frömmigkeit des Jordan Mai. Vielleicht auch wegen diesem Widerspruch engagieren sich beide, um die Erinnerung an diesen vorbildlichen Menschen wachzuhalten. „Er lebte von 1907 bis 1922 in der Gemeinde. Das war eine Zeit großer Not. Damals kamen arme Menschen an die Klosterpforte, um um Essen zu bitten“, weiß Bruder Klaus. An der Pforte trafen sie dann auf Bruder Jordan, den man zudem sehr oft betend in der Franziskanerkirche in der östlichen Dortmunder Innenstadt sah. „Ihn kannten viele Menschen, auch wenn er selbst nicht viele kannte“, vermutet Annette Stöckler. Einem so frommen Mann trauten die Menschen zu, dass er „einen kurzen Draht zu Gott hat, ein Mittler ist“.

Bruder Klaus ist sich außerdem sicher, dass sich Jordan Mai an der Klosterpforte auch Zeit für die Menschen nahm. „Sie haben von ihren Sorgen und Nöten erzählt.“ Vermutlich waren Arme damals dankbar, wenn ihnen überhaupt jemand zuhörte. „Es gab ja nicht diese sozialen Netze wie heute.“ Zudem war er derjenige, der etwas zu essen verteilte, auch „dank der Sorge der Mitbrüder. So etwas kann man nur machen, wenn die Klostergemeinschaft dahintersteht“.

Und gerade in dem Unspektakulären könnte der Schlüssel liegen. „Er war zuverlässig, hat Tag für Tag seinen Dienst gemacht, wie es nötig war und wie es die Menschen von ihm erwarteten.“ Jordan muss durch seinen Fleiß und seine Zuverlässigkeit eine echte Stütze für die Menschen, deren Not er wahrnahm, gewesen sein. „Er ist 1922 gestorben und noch vor seiner Beisetzung lief hier und in der Umgebung der Satz ‚In Dortmund ist ein heiliger Bruder gestorben‘. Dieser Satz ist dokumentiert“, erklärt Bruder Klaus.

Umso erstaunlicher erscheint es da, dass Bruder Jordan wohl kein allzu freundlicher Mann gewesen ist. Das hat Bruder Klaus ein Gemeindemitglied erzählt, das Jordan Mai noch persönlich kannte. Doch dafür gab es einen guten Grund. „Er war krank, litt an einer Nervenkrankheit. Die hat ihm sehr starke Kopfschmerzen verursacht.“ So ist es nicht verwunderlich, dass der Mönch nicht immer gut gelaunt war.

Insgesamt ist das Leben Bruder Jordans gut belegt. Denn als 1934, nur zwölf Jahre nach seinem Tod, der bischöfliche Prozess zur Seligsprechung begann, wurden „alle gefragt, die ihn kannten. Deshalb ist seine Lebensart durch Zeitzeugen gut belegt“.

Und auch auf dem Ostfriedhof, wo Bruder Jordan zunächst beigesetzt wurde, fanden sich schnell viele Menschen ein, die ihn verehrten. Um ein Stück des Verehrten ganz nah bei sich zu haben, nahmen sie sogar Graberde mit. Bei der Umsetzung der Gebeine in die Franziskanerkirche waren ebenfalls zahlreiche Verehrer anwesend.

Selbst heute, wo das Interesse am Gemeindeleben und an der Religion nachlässt, kommen am Bruder-Jordan-Tag, der jedes Jahr am 20. Februar gefeiert wird, immer noch Busse mit Pilgern aus dem gesamten Erzbistum.

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