Zeige draußen, was du drinnen glaubst!

Gedanken zu Lk 16,19-31

Der Glaube an Gott wird glaubwürdig in der Liebe zu den Menschen, besonders zu den Armen.

Katholik Horst Seehofer betet am Grab Johannes Pauls II. Seine Vorschläge zur Asylpolitik halten allerdings die Kirchen für wenig christlich. Foto: dpa

 

von Georg Austen

„Es war einmal“ – fast wie ein Märchen erzählt Jesus den Jüngern das Gleichnis vom armen Lazarus und dem reichen Prasser, der namenlos bleibt. Jedes Märchen, jede Legende hat auch einen wahren Kern, eine Grundbotschaft, die im Erzählen den Zuhörern vermittelt werden soll. Worum gehts hier?

Jesus geht es mit seinem Gleichnis nicht um die pauschale Verurteilung des Reichen und einen Lobgesang auf die Armen. Sein Blick richtet sich vielmehr auf das Herz eines jeden Menschen. Natürlich wissen wir, dass Armut und Elend nicht „einmal“ gewesen sind. Tausendfach sehen wir Lazarusse, Menschen mit einem Namen, die heute vor der Tür liegen. Hier bei uns und überall in der Welt; millionenfach der Abgrund, die geschlossene Tür, der Graben.

Wir wissen um die steigende Kinder- und Altersarmut in unserem Land, die größer werdende Kluft zwischen armen und reichen Ländern dieser Welt, die sicherlich ein Grund für die Flüchtlingskrise ist. Das Elend und die Hungersnot – millionenfach. Wir hören von Gewinnmaximierung und Stellenabbau, nicht selten auf Kosten der Menschlichkeit, von Finanz- und Betrugsskandalen in den Führungsetagen. Wir entdecken auch Menschen, die durch unglückliche Umstände in die Schuldenfalle oder sogar Obdachlosigkeit geraten sind, oder die in unseren Städten verschämt in den Mülltonnen des Wohlstands nach Essbarem und Pfandflaschen suchen, und, und, und.

Jesus macht deutlich, dass ich Gott nicht am Menschen vorbei lieben kann, weder auf Erden noch im Himmel. Es geht ihm darum, nicht auf das Jenseits zu vertrösten, sondern jetzt den Blick zu öffnen für den Nächsten und die Welt. Letztlich geht es um die Warnung vor der Gleichgültigkeit. Menschen können sich dicht machen durch Krempel und Besitz, der ihnen gehört. Sie können aufgehen in Haben und Genießen. Wir können dabei blind werden für die, die draußen stehen und liegen. Die Gleichgültigkeit kann unser Herz zu Stein werden lassen und Barmherzigkeit verhindern.

Papst Franziskus möchte durch das Jahr der Barmherzigkeit diese christliche Grundhaltung in uns erneuern. „Die Barmherzigkeit ist ein Weg, der in unseren Herzen beginnt, um bei den Händen anzukommen“, so ruft er uns zu. Dabei kann es auch ein „zu spät“ geben, denn ewiges Leben beginnt nicht erst mit dem Tod. Wir haben nur ein Leben. Heute ist uns die Verantwortung und Entscheidung für die Gestaltung unseres Lebens, das über den Tod hinausgeht, ans Herz gelegt.

Und die Moral von der Geschicht:
„Zeige draußen, was du drinnen glaubst!“ Schärfe deine Aufmerksamkeit für das, wie du mit deinem Besitz umgehst, öffne deine Augen für die geistige und materielle Not vor deiner Tür und rüttle an den Selbstverständlichkeiten etablierter Ungerechtigkeiten in Kirche und Welt. Rede nicht nur über den Glauben, sondern gib ihm durch dein Handeln Hand und Fuß.

Diese Richtungsweisung macht mir deutlich, dass ich für mein eigenes Tun Verantwortung trage und keine Marionette eines außerirdischen Gottes bin. Gebe Gott uns ein sehendes und hörendes Herz, dass wir erkennen, wie die Richtung unseres Lebens ist, sowie den Mut, verschlossene Türen zu öffnen!

Msgr. Georg Austen ist Generalsekretär des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken mit Sitz in Paderborn.

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