Zeichen der Einheit

Seit 2007: gegenseitige Anerkennung der Taufe

Aus dem Gefängnis heraus schrieb der Apostel Paulus – oder jemand in seinem Namen – den christlichen Gemeinden in Kleinasien einen grundlegenden Brief über die Kirche. Diese entstand gerade erst und doch gab es schon Grund zur Mahnung

Das Taufbecken im Magdeburger Dom. Foto: KNA.

 

von Claudia Auffenberg

Im vierten Kapitel des Epheserbriefes wird der Verfasser konkret: „Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält. Ein Leib und ein Geist wie euch durch eure Berufung auch eine gemeinsame Hoffnung gegeben ist, ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allem durch alles und in allem ist.“

Dieser Appell blieb durch die Jahrhunderte aktuell. Immer wieder stritten die Theologen auch über die Taufe. Vor allem im Zuge der Reformation kam es zu Auseinandersetzungen mit der Sakramentenlehre des hl. Augustinus, teils waren sich auch die Reforma­toren uneinig: Was bewirkt die Taufe und wie? Wie hängen das Wirken Gottes und das Wirken des Täuflings zusammen? Was kann ein Säugling bewirken? Welche Bedeutung hat das Taufwasser? Wenn die Taufe ein Bei­tritts­akt ist, zu was genau tritt man da bei?

Manche Fragen werden von den christlichen Kirchen bis heute unterschiedlich beantwortet, etwa die Frage nach der Säuglingstaufe. Doch eins ist immerhin formell erklärt: die gegenseitige Anerkennung der Taufe. Am 29. April 2007 unterzeichneten Vertreter elf christlicher Kirchen im Dom zu Magedburg eine Erklärung, in der es unter anderem heißt: „Wer dieses Sakrament empfängt und im Glauben Gottes Liebe bejaht, wird mit Christus und zugleich mit seinem Volk aller Zeiten und Orte vereint. Als ein Zeichen der Einheit aller Christen verbindet die Taufe mit Jesus Christus, dem Fundament dieser Einheit. Trotz Unterschieden im Verständnis von Kirche besteht zwischen uns ein Grundeinverständnis über die Taufe.“

Auch wenn die Auswirkungen dieser „Magdeburger Erklärung“ für die Gläubigen vielleicht kaum zu spüren sind, so war dieser Schritt für die ökumenischen Bemühungen immens wichtig. Kardinal Karl Lehmann, seinerzeit Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, sagte damals im Gottesdienst: „Es ist ein großer Schatz, dass die Kirchen in hohem Maß – trotz aller Trennungen – das sakramentale Band der Einheit durch die Taufe erhalten haben. Alle Einheit geht aus der Taufe hervor.“ Zugleich betonte er, die Taufe sei nicht nur Gabe Gottes, die neues Leben verheiße, sondern auch Sendung, dieses zu gestalten: „Die Wirklichkeit des neuen Lebens kann nur dann bewahrt werden, wenn sie in unserem täglichen Lebensvollzug zu immer neuer Wirksamkeit kommt.“ Mit anderen Worten: Welche Bedeutung die Taufe im konkreten Leben eines getauften Menschen hat, muss jeder, sei er oder sie katholisch, evangelisch oder orthodox, ganz persönlich beantworten.

Vielleicht hilft es, darüber miteinander zu sprechen.

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