Wer zähmt Trump?

Ein Kommentar von Matthias Nückel

Stellen Sie sich einmal vor, in einem kleinen afrikanischen Staat käme ein neuer Regierungschef an die Macht. Als ersten Akt würde er einige Familienmitglieder mit hochbezahlten Staatsämtern versorgen. Dann kämen noch einige seiner Freunde an die Reihe, mit denen er auch geschäftlich verbunden ist. Unsere Reaktion hier wäre ziemlich eindeutig. „Typisch Bananenrepublik“, würden wir abschätzig sagen.

Die oben beschriebenen Vorgänge ereignen sich aktuell jedoch nicht irgendwo, sondern im mächtigsten Land der Welt – in den USA. Donald Trump, der an diesem Freitag vereidigt wird, geht bei seiner Machtübernahme genau nach diesem Schema vor. Man kann nur mit dem Kopf schütteln, zumal die meisten Amerikaner dies kritiklos hinnehmen.

Schlimmer allerdings als das Postengeschachere ist Trumps Umgang mit Andersdenkenden. Ganz im Stil eines Despoten ließ er bei seiner jüngsten Pressekonferenz Fragen von kritischen Journalisten erst gar nicht zu. Er kanzelt alle ab, die ihm nicht wohlwollend gegenüberstehen.

Und Donald macht weiter Politik über den Kurznachrichtendienst Twitter. In ein bis zwei Sätzen legt er seine Sicht der Dinge dar. Das mag mancher ganz lustig finden. Es ist jedoch im Grunde sehr gefährlich – vor allem, wenn es um außenpolitische Fragen geht. Hier können solche Kurzdarstellungen schnell zu diplomatischen Verwicklungen führen – schlimmstenfalls zu einem Krieg.

Die entscheidende Frage für die Zukunft wird sein, ob die republikanische Partei in den USA ihren eigenen Präsidenten zähmen kann. Gelingt dies nicht, stehen uns allen unsichere Zeiten bevor.

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