Wenn Kinder trauern

Die Caritas Gütersloh begleitet Familien, die einen Angehörigen verloren haben

Melanie und ihr Sohn sind froh, den Weg zur Trauerbegleitung gefunden zu haben. Neben ihnen die beiden ausgebildeten Kindertrauerbegleiter Mechthild Reker und Thomas Plugge.

 

Rheda-Wiedenbrück (wl). Seit rund vier Jahren besteht beim Caritasverband Gütersloh das Angebot „Kindertrauergruppe“ für den Kreis Gütersloh. Mechthild Reker und Thomas Plugge haben sich dieses Themas angenommen, eine Trauerbegleiter-Ausbildung speziell für Kinder gemacht und laden jeden letzten Mittwoch im Monat nachmittags Kinder und Jugendliche zu einem Treffen im Tipi auf dem Biohof Frenser ein.

Dort hat Thomas Plugge in Eigenleistung vor einigen Jahren ein geräumiges Zelt mit Feuerstelle gebaut. „Es ist ein geschützter Raum und was hier gesagt und erzählt wird bleibt auch hier“, erklärt Plugge die Vorgehensweise. Angesprochen sind Kinder, die durch Tod einen nahen Angehörigen wie ein Elternteil, Großeltern oder aber auch den besten Freund verloren haben und diesen Schicksalsschlag alleine nicht verarbeiten sollten.

Angesprochen sind aber auch die Eltern in der Angehörigengruppe, damit auch sie hilfreiche Informationen erhalten, um zu lernen, mit ihrer eigenen Trauer, aber auch der ihres Kindes, umzugehen. Dass Vater oder Mutter mitmachen, ist Voraussetzung bei diesem Konzept. Der elfjährige Jan hat vor zwei Jahren seinen Papa nach einer schweren Krankheit verloren. Jan kommt schon seit dem Tod seines Vaters und spürt, dass es ihm guttut. Hier erinnert man sich bewusst an schöne Dinge, die man gemeinsam gemacht hat, denn „vergessen soll niemand“, so Mechthild Reker. Die Erinnerung an einen geliebten Menschen festzuhalten, sei wie einen Schatz zu hüten. Die Gesellschaft sehe das häufig anders. Da werde häufig „loslassen“ und „vergessen“ als Rat gegeben, doch genau das möchten Trauernde nicht.

Jan findet besonders gut, dass er sich erinnern darf und erzählen kann. Darüber hinaus gibt es auch Schönes zu erleben: basteln, im Stroh toben, Stockbrot backen oder spielen. Seine Mutter Melanie bestärkt die Äußerungen ihres einzigen Kindes. „Hier kann ich sein, ohne Angst haben zu müssen, dass die Tränen kullern oder mich Menschen mitleidig ansehen. Das tut einfach nur gut“, erklärt sie. Sie habe auch gelernt, dass es wichtig ist, auch zu Hause immer wieder über ihren Mann zu reden, damit er ihnen nah bleibt.

Aaron und sein Zwillingsbruder Maximilian sind 15 Jahre alt. Sie haben vor drei Jahren ihren Vater nach einem Schlaganfall verloren. Aaron hat es zunächst große Überwindung gekostet ins Trauerzelt zu kommen, doch heute ist er froh, den Schritt gemacht zu haben. „Wir sind alle irgendwie auf einer Wellenlänge, jeder hat Ähnliches erlebt und das schweißt zusammen“, erklärt er. Für ihn ist es entlastend, mal mit anderen über sich und seine Gedanken zu reden. Auch seine Mutter Christiane kann das bestätigen: „Wir haben schon zusammen geweint und zusammen gelacht und das tut gut.“ Die beiden Trauerbegleiter haben sich ganz bewusst für dieses Konzept der Begleitung entschieden, weil die Teilnehmer bleiben können, solange sie möchten. Die beruhigende Atmosphäre im Zelt und auf dem Hof generell empfinden alle Teilnehmer als Bereicherung. Es gibt Rituale wie Stockbrot machen, immer ein Feuer anzuzünden, einen Moment der Stille und eine Wunderkerze abbrennen. Hinzu kommen dann Angebote wie Basteln, auf dem Hof etwas unternehmen oder auch mal gemeinsam kochen. Da viele Familien nicht wissen, dass es dieses kostenlose Angebot der Caritas gibt, möchten Thomas Plugge und Mechthild Reker noch einmal darauf hinweisen.

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