Wenn du zaubern könntest

Bilder des Leids

Man ahnt, was auf diesem Bild zu sehen ist, obwohl man sich zunächst weigert, es zu entschlüsseln. Man sieht doch einen brennenden Mann, oder?

von Claudia Auffenberg

Gemalt hat dieses Bild ein Kind, das hierher nach Deutschland geflohen ist. Der Name und die Herkunft des Kindes können nicht mehr recherchiert werden, aber das Bild ist in der Flüchtlingsunterkunft in Soest entstanden. Was müssen Kinder erlebt oder gar gesehen haben, die ein solches Bild malen?

Martin Strätling, Leiter des Migrationsdienstes MiCado des Paderborner Caritasverbandes, hat viele Bilder von Flüchtlingskindern gesehen. „Kinder malen Dinge, die zu ihrem Alltag gehören“, sagt er und warnt davor, allzu schnell vom Kinderbild auf die Kinderseele zu schließen. Nicht hinter jedem Motiv, das so aussieht, stecke auch eine traumatische Erfahrung. Wenn ein Panzer auf einem Bild zu sehen ist, dann bedeute das zunächst nur, dass das Kind einen Panzer gesehen habe, mehr nicht.

Malen ist für Kinder eine Möglichkeit, das auszudrücken, wofür sie keine Worte haben. Das sind Kriegserfahrungen, die Erfahrung von Rettung und Zukunftsträume. Auf manchen Bildern ist Leid zu sehen, immer wieder aber auch Wasser, Boote oder Deutschlandfahnen.

Malen ist zudem eine Möglichkeit, sie an die hoffnungsvollen Bilder zu führen, die in ihnen schlummern. Bei ­MiCado lautet manchmal eine Aufgabe an die Kinder: „Wenn du zaubern könntest …“ Dann sieht man auch schon mal Ballettschuhe.

Wichtig sei, so Strätling, dass man die Kinder nicht bedrängt, sondern sie selbst entscheiden lässt, welches innere Bild sie zeigen wollen.

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