Wenn der Automat mal wieder klemmt

Gedanken zu Lk 18, 1-8

Gott weiß, was wir brauchen. Unser Beten ist eine Bestätigung dafür.

Kerzen am Heiligen Grab in Jerusalem. Foto: Gottschlich

 

von Liudger Gottschlich

Ums Bittgebet geht es also. Da sind wir es gewohnt, das sofort auf uns und unsere vielfältigen Bedürfnisse zu beziehen. Das immer hungrige ICH schiebt sich in den Vordergrund – und wundert sich, dass es so häufig nicht erhört wird. Obwohl Jesus uns das doch verspricht. Heute wieder. Und Gott? Ist taub; oder überbeschäftigt; oder kleinlich; oder was? Vielleicht doch nicht besser als der Richter. Und erhört uns bloß bröckchenweise, wenn wir ihm die Nerven nur erst genug sortiert haben. Deshalb also allezeit beten und nicht müde werden darin?

Immer lohnt es sich zu schauen, in welchem Zusammenhang ein Schrifttext steht. Der heutige bezieht sich auf die Rede Jesu über die Endzeit; auf seine Wiederkunft am letzten Tag. Diese pausenlos herbeizubitten, hält Jesus für zwingend nötig (so die genaue Übersetzung von V.1). Erstmal geht es also gar nicht um uns und unsere Bedürfnisse. Mit diesem Gleichnis wiederholt er nur die Kernbitte des Vater-­unser-Gebets, das er den Seinen aufträgt: Dein Reich komme.

So wichtig die Bitte darum ist – nur herbeibeten können wir es nicht. Aktiv mitwirken müssen wir. Das ist unser Auftrag in der Zwischenzeit. Die nächste Bitte erinnert uns daran: So wie Gottes Wille im Himmel bereits verwirklicht ist, sollen wir – diesem Willen gemäß – die Welt gestalten und umwandeln. Nur so wächst das Reich Gottes weiter, das längst begonnen hat. („Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es an äußeren Zeichen erkennen könnte. Es ist schon mitten unter euch!“; vgl. Lk 17,20f) Es ist überall spürbar, wo Menschen in Solidarität, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Liebe miteinander leben. Dafür braucht es immer neu Kraft, Mut und Fantasie. Darum sollen wir allezeit bitten. Das ist die Botschaft des Gleichnisses!

Solche Bitten erhört Gott prompt. Wo ein Christ allerdings das Elend der anderen übersieht und hauptsächlich für sich betet, kann er lange auf Erhörung warten. Egal wie dringend sein Flehen sein mag. „Wer sein Ohr verschließt vor dem Schreien des Armen, wird selbst nicht erhört, wenn er um Hilfe ruft.“ (Spr 21,13) Das ist wie mit der Bitte um Vergebung, die Gott nur dem gewährt, der selber zur Vergebung bereit ist: Hilfe erfährt, wer Hilfe schenkt. Das ist das Geheimnis des Gottesreiches, in dem Egoismus keinen Platz hat.

Dürfen wir also gar nicht für uns in unserer Not bitten? Wenn unser Herz nicht nur um sich selbst kreist, jederzeit. Gott sieht unser Elend und will helfen. Dafür aber müssen wir ihm vertrauen und glauben, dass er das Beste für uns kennt und gibt. Gott ist kein magischer Automat, der mit detaillierten Anweisungen gefüttert und mit Opferkerzen bezahlt werden will. Auch wenn wir ihn in der Kirche gerne so behandeln. Gott, der sogar die Haare auf unserem Kopf gezählt hat, weiß genau, was wir brauchen. Nicht selten allerdings ist das etwas ganz anderes, als wir meinen! Das irritiert uns häufig. Trotzdem gilt: Gott kann nur Gutes geben.

Wenn wir das glauben, wenn wir ihn mit unseren begrenzten Vorstellungen nicht blockieren, kann er helfen. „Alles worum ihr betet und bittet – glaubt nur, dass ihr es schon erhalten habt, dann wird es euch zuteil.“ (Mk 11,24) Glaubst du das? Hast du dieses Vertrauen?, fragt uns das Gleichnis. Nicht ohne Grund sorgt sich Jesus sehr darum.

Der Autor ist Pastor im Pastoralverbund Dortmund-Mitte-Ost.

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