Weihnachten – eine Verwandlung kommt über die Welt

Über eine märchenhafte Zeit

Foto: Mella/photocase)

 

Je näher Weihnachten rückt, umso mehr häufen sich in Kino und Fernsehen Geschichten über magische Welten, über Prinzessinnen und Prinzen, verwunschene Schlösser und Wälder, Hexen, Feen und Zauberer.

Nicht nur Kinder sind die Zielgruppe dieser Geschichten. Auch Erwachsene strömen ins Kino, wenn es der Hobbit Bilbo Beutlin mit Drachen aufnimmt oder wenn – wie in diesem Jahr – Jedi-Ritter mit ihren geheimnisvollen Kräften die Galaxis retten.

In vielen solcher Geschichten gibt es Wesen, die die Macht besitzen, andere(s) zu verwandeln – davon betroffen können Dinge sein, Tiere und sogar Menschen. Eine un­heim­liche, aber doch auch irgendwie faszinierende Macht, die im Märchen sowohl zum Guten als auch zum Schlechten eingesetzt wird, sowohl zur Bestrafung als auch zur Belohnung.

Möglicherweise spiegelt sich in diesen meist uralten Geschichten über Verwandlungen das menschliche Ringen mit dem faszinierenden, aber auch unheimlichen Phänomen „Veränderung“ wider. Veränderungen gehören zum Leben, soviel steht fest – doch sie sind wie die Verwandlung im Märchen eine ambivalente Angelegenheit. Sie gereichen sowohl zum Guten als auch zum Schlechten, sie können ebenso als Strafe erlebt werden wie auch als Belohnung oder Befreiung.

Man kann Veränderungen „erleiden“ wie eine von außen kommende Macht, der man wenig entgegenzusetzen hat. Plötzlich findet man sich in einem neuen Leben wieder, das man so nicht gewollt hat, und weiß nicht, wie dies geschehen konnte – „Es ist einfach wie verhext.“

Natürlich gibt es auch das Gegenteil. Es gibt Veränderungen, die kommen über einen wie eine Befreiung oder sogar wie eine Rettung. Plötzlich löst sich ein Knoten. Man fühlt sich beschenkt. Man weiß gar nicht, womit man das verdient hat …

Vielleicht liegt hier eine Antwort auf die Frage, warum Märchen an Weihnachten Hochkonjunktur haben, auch wenn es vielen Menschen nicht mehr bewusst ist: Christen feiern an Weihnachten die Geburt von Gottes Sohn, die Menschwerdung Gottes und damit etwas Außerordentliches, Wunderbares, eigentlich nicht Erklärbares. Sie feiern den Retter, der die Befreiung bringt, den Glauben, dass sich die Welt damit zum Guten wandelt.

Die Zusage, dass die Mensch­werdung Gottes unser aller Leben verändert und uns neue Welten öffnet, kann schon besonders empfänglich machen für das Zauberhafte, vielleicht auch für die Sehnsucht nach einer anderen Welt. Vielleicht ist es das, worauf Filmemacher und Programmplaner zur Weihnachtszeit reagieren – wenn sie es auch nicht unbedingt mit der christlichen Botschaft von der Geburt Jesu zusammenbringen.

von Claudia Nieser

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