Was wird wohl aus diesem Kind?

Gedanken zu Lk 1,57-66.80

Foto: criene / photocase.de

 

Besonders und einmalig ist Johannes der Täufer in seiner Rolle als „Vorläufer“ Jesu.

von Markus Püttmann

Das muss schon ein besonderer Heiliger sein, dieser Johannes der Täufer. Immerhin „verdrängt“ er den zwölften Sonntag im Jahreskreis, der eigentlich heute in der Liturgie vorgesehen ist. In der Regel haben die Sonntage als wöchentlich wiederkehrende kleine Osterfeste und auch alle sogenannten Herrenfeste liturgisch den Vorrang vor allen Heiligenfesten. Heute ist das nicht so!

Im Evangelium zum Geburtsfest des Johannes wird von den Nachbarn und Verwandten der Familie des Johannes eine spannende Frage gestellt: „Was wird wohl aus diesem Kind werden?“ Diese Frage hatte ihren Grund. Die Gäste, die am achten Tag nach der Geburt zur Beschneidung eingeladen waren, rechneten stark damit, dass das Kind den Namen seines Vaters Zacharias bekommt. Aber Elisabet setzte sich durch und sagte, dass er Johannes heißen solle. Alle Blicke richteten sich nun auf Zacharias. Der stumme Vater verlangte eine Schreibtafel und schrieb darauf, dass das Kind den Namen Johannes bekommen soll. Und im gleichen Moment konnte Zacharias wieder sprechen.

Ich kann die Reaktion der Gäste gut verstehen. Ich wäre wahrscheinlich auch sehr beeindruckt gewesen und auch mir wäre womöglich der Gedanke gekommen, dass dieses Kind etwas Besonderes sein muss. Und wahrlich ist Johannes eine der großen Gestalten in der Heiligen Schrift. Aber was ist nun wirklich aus ihm geworden?

Das Erste, was berichtet wird, ist, dass Johannes in der Wüste war. Und das scheint nicht zufällig so zu sein. Wenn wir in die Bibel hineinschauen, stellen wir an unterschiedlichen Stellen fest, dass die Wüste der Ort der Begegnung mit Gott ist. Ein Ort, wo wir nicht durch Smartphone, Ta­blet oder soziale Netzwerke abgelenkt werden. Ein Ort, wo wir ganz auf Gott ausgerichtet sein können und alle störenden Einflüsse draußen bleiben. Immer wieder ist es die Wüste, wo Männer und Frauen Gottes geformt und geprägt werden. Als Studierendenseelsorger kann ich auch sagen, dass die Wüste sozusagen die „göttliche Universität“ ist. Eine Erfahrung, die ich selber mit meinem Pastoralkurs 2008 in der Wüste gemacht habe.

Ein zweites: Das charakteristische Kennzeichen dieses Mannes ist, dass er am Jordan tauft. Auch Jesus ist ja zu ihm gekommen, um sich im Jordan taufen zu lassen. Und im Zusammenhang mit seinen Taufen hat er den Menschen auch immer ins Gewissen geredet und sie dazu aufgerufen, in ihr Innerstes zu schauen und auf den Weg des Guten umzukehren.

Es gibt noch viele Ereignisse, die im Zusammenhang mit der Frage nach der Besonderheit des Johannes genannt werden könnten. Aber die stärkste Antwort gibt Jesus selber, als er sagt, dass es unter denen, die von einer Frau geboren sind, keinen größeren gibt als Johannes den Täufer (vgl. Lk 7,28). Die Propheten des Alten Testamentes haben angekündigt, dass einmal der Tag kommen wird, an dem der Messias erscheint und das Reich Gottes anbricht. Aber nur einem war es vorbehalten, sagen zu können: Der ist es! Das war Johannes der Täufer. Er zeigt auf Jesus und sagt, dass er das Lamm Gottes ist, das die Sünde der Welt hinwegnimmt.

Ich bin sehr froh, dass wir das Geburtsfest des Johannes zur Mitte des Jahres feiern, ein halbes Jahr vor dem Geburtsfest Jesu. Wenn die Sonne am höchsten steht und noch niemand von uns an das Dunkel des Winters denkt, kommt der sogenannte „Vorläufer“ in die Welt und weist auf das Licht hin, das kommen wird; zu der Zeit, wo es bei uns am dunkelsten ist. Ein Grund zu feiern: Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Johannes!

Zum Autor:

Pastor Markus Püttmann ist Studierendenseelsorger der KHG Siegen und Mitarbeiter in der Leitung der CityPastoral K3.

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