"Was Jesus unter uns tut, ist fantastisch"

Drei Fragen an P. Hans Stapel

Die Fazenda da Esparanca ist eine faszinierende Idee: Junge Drogenabhängige leben hier in einer Hausgemeinschaft mit klarer christlicher Ausrichtung. Die Erkenntnis und die Erfahrung, dass sie von Gott getragen sind, soll sie von ihrer Sucht befreien. "Erfinder" dieses Konzepts ist P. Hans Stapel, ein Priester aus dem ERzbistum Paderborn. Mit ihm sprach jetzt Matthias Nückel.

P. Hans Stapel. Foto: Nückel

 

Frei Hans Stapel, worauf führen Sie die Erfolgsgeschichte der Fazenda zurück?

Diese Frage zu beantworten, ist sicher nicht ganz einfach. Aber ich denke, es ist der Lebensstil, den wir schon seit Langem führen – nämlich, dass wir jeden Tag ein Wort aus dem Evangelium leben. Die Jungs haben dies zu meiner Überraschung ernster genommen als die Gemeindemitglieder. Die Jungs, die aus der Droge kamen, haben das Wort so ernst gelebt. Und ich habe verstanden, in jedem Wort ist Gott. Indem sie anfangen, dieses Wort zu leben, wächst in ihnen dieser Gott, der in jedem von uns ist. Wir sind ja sein Ebenbild. Dann kommt auf einmal eine Klarheit und Freude auf. In diesen Tagen handeln das Evangelium und die Lesung immer davon, dass Jesus davon spricht, dass er eins ist mit dem Vater und dass er uns sein Wort gegeben hat. Wer es hält, der hat die Freude. Und das habe ich bei den jungen Menschen gesehen. Die Freude, der Mut, die Freiheit und die Kraft, auch nein zu sagen, kamen zurück. Und jeder, der dann rausgeht, ist ein gelebtes Zeugnis. Und dann wollen es andere auch. So reißt bis heute der Strom der vielen Menschen, die auf die Fazendas wollen, nicht ab.

Gibt es einen Unterschied zwischen Europa und Lateinamerika – auch bei den Menschen, die auf die Fazenda kommen?

Es ist ein Unterschied in der Mentalität. Die Lateinamerikaner sind offener und freier. Aber das Wort gilt für alle, denn das Wort ist Gott. Und er ist für alle da, für alle Menschen und Kulturen. Er hat alle geschaffen. Ich erinnere mich gern an Afrika, wo ich nächste Woche wieder hinfliege. Ich habe die Jungs dort gefragt: „Wie lebt ihr das Wort hier?“ Einer nach dem anderen hat seine Erfahrungen erzählt. Ein Junge sagte: „Wir haben in dieser Woche das Wort gelebt: Was ihr den geringen meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. Ich bin 17 Jahre alt, gehe in die Stadt und sehe unterwegs eine Frau mit einem Kind auf dem Rücken, einer großen Schale Bananen auf dem Kopf und zwei großen Taschen in den Händen. Da habe ich mir gedacht, ich könnte ihr doch helfen. Was ich ihr tue, das tue ich Jesus. Aber dann kam sofort: Ich bin Afrikaner. Hier arbeitet die Frau und nicht ich.“ Der Junge wollte wieder helfen, aber dann dachte er sich, was die anderen wohl von ihm denken könnten. „Doch“, so erzählte er weiter: „Es kam wieder, und ich habe die Taschen genommen und habe ihr geholfen.“ Dann strahlte er mich an – dieses dunkle Gesicht mit den weißen Zähnen – und er sagte: „Ich habe eine Freude empfunden, die ich noch nie im Leben hatte. Es war mir ganz egal, was die anderen denken und was meine Kultur ist. Ich bin Jesus begegnet.“ Diese konkrete Erfahrung gibt dem jungen Menschen Halt, Freude und einen Lebenssinn.

Und wie wirkt sich das auf den Fazendas aus?Deshalb ist auch unsere Quote derer, die es schaffen, so hoch. Wir sprechen nicht gegen die Droge, sondern wir sprechen für das Leben. Und das, denke ich, ist das Geheimnis. Wenn man anfängt, das Wort zu leben, dann ist der Herr selbst unter uns. Er sagt ja: „Wo zwei oder drei sich in der Bibel begegnen, da bin ich mitten unter ihnen.“ Er macht ja alles: er vollbringt Wunder, er heilt, er erweckt Tote, er vermehrt das Brot. Ich durfte in den vielen Jahren erfahren, was Jesus unter uns macht. Es ist fantastisch.

Weitere Berichte dazu finden Sie im Dom, Nr. 23, vom 11. Juni 2017.

Diesen Artikel teilen:

Ähnliche Artikel