Vorsicht, Narren!

Schon Paulus konnte ziemlich ironisch sein

Eine niederländische Satiresendung hat damit angefangen und nun ist weltweit ein wunderbarer Wettbewerb im Gange, an dem sich sogar das Bistum Osnabrück beteiligt hat. Wenn „America first“, also den ersten Platz für sich in Anspruch nimmt, wer darf dann auf den zweiten? Das Internet läuft inzwischen über vor Bewerbungsvideos, in denen sich Länder, Regionen oder eben Bistümer dem amerikanischen Präsidenten für Platz 2 andienen. Halb Europa ist dabei, zudem Marokko und sogar der Iran.

Miss Liberty im Wartestand: Beim Karnevalsempfang der sächsischen Staatskanzlei wartet eine Tanzgarde auf ihren Auftritt. Foto: dpa

 

von Claudia Auffenberg

„Dear Mister President“, so fängt es immer an und dann werden die Vorzüge des Bewerbers vorgestellt. Na ja, sagen wir, wie es ist: Es wird geprahlt, was das Zeug hält. Das Bistum Osnabrück zum Beispiel verkündet in seinem Film, es sei die beste Diözese Europas, jeder sage das! Seinen jetzigen Bischof habe es aus dem Nachbarbistum geraubt, weil man dort so dämlich – „so stupid“ – gewesen sei, keine Mauer zu bauen.

Alle Filme strotzen vor Angeberei, jeder hat das Beste, das Größte, ist absolut fantastisch. Die anderen sind dagegen schlecht und lächerlich. Die Holländer sagen in ihrem Video, sie hätten die beste Sprache der Welt, Dänisch sei dagegen ein Disaster und Deutsch gar keine Sprache, sondern eine „fake language“.

Und alle bekräftigen immer wieder: „Its true, es ist wahr“. So, wie es ja auch der Adressat gern sagt – und womöglich sogar glaubt.

Diese Methode der Ironie, den anderen durch maßloses Selbstlob lächerlich zu machen, diese Methode wendet auch – man mag es kaum glauben – der Apostel Paulus an. Damals gab es allerdings noch kein Internet, auch die Filmerei war noch nicht erfunden, sein Medium war der Brief. In seiner sogenannten Narrenrede an die Gemeinde in Korinth schreibt er: „Womit aber jemand prahlt – ich rede jetzt als Narr –, damit kann auch ich prahlen. Sie sind Hebräer – ich auch. Sie sind Israeliten – ich auch. Sie sind Nachkommen Abrahams – ich auch. Sie sind Diener Christi – jetzt rede ich ganz unvernünftig –, ich noch mehr: Ich ertrug mehr Mühsal, war häufiger im Gefängnis, wurde mehr geschlagen, war oft in Todesgefahr. Fünfmal erhielt ich von Juden die neununddreißig Hiebe; dreimal wurde ich ausgepeitscht, einmal gesteinigt, dreimal erlitt ich Schiffbruch, eine Nacht und einen Tag trieb ich auf hoher See. Ich war oft auf Reisen, gefährdet durch Flüsse, gefährdet durch Räuber, gefährdet durch das eigene Volk, gefährdet durch Heiden, gefährdet in der Stadt, gefährdet in der Wüste, gefährdet auf dem Meer, gefährdet durch falsche Brüder. Ich erduldete Mühsal und Plage, durch­wachte viele Nächte, ertrug Hunger und Durst, häufiges Fasten, Kälte und Blöße. [] Gott, der Vater Jesu, des Herrn, er, der gepriesen ist in Ewigkeit, weiß, dass ich nicht lüge.“ Mit anderen Worten: It’s true.

Einleitend warnt Paulus allerdings eindringlich vor dem, was passiert, wenn man den Narren nicht als solchen erkennt: „Ihr lasst euch die Narren ja gern gefallen, ihr klugen Leute. Denn ihr nehmt es hin, wenn euch jemand versklavt, ausbeutet und in seine Gewalt bringt, wenn jemand anmaßend auftritt und euch ins Gesicht schlägt.“ Na, da vergeht einem fast das Lachen.

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