Von der Macht des Glaubens

Gedanken zu Lk 17,5-10

Allem Handeln aus dem Glauben geht das Vertrauen in Gottes grenzenlose Liebe voraus.

Senfkörner - so klein und doch ausreichend. Foto: helgi / photocase

 

von Emanuela von Branca

Die Bitte der Apostel, dass ihr Glaube/Vertrauen gestärkt wird, wörtlich – dass ihnen Vertrauen verliehen wird – kann man nur begreifen, wenn man zumindest den vorherigen Absatz des Evangeliums mit einbezieht. Da verlangt Jesus von seinen Aposteln, ihren Brüdern immer wieder neu zu vergeben, wenn diese nur bereit sind, sich zu ändern. Was für eine Herausforderung! Verständlich, dass sie bitten, dass ihnen Vertrauen verliehen wird.

Und Jesus: Er antwortet auf ihre Bitte, wie so oft, ganz anders, als wir und sicher auch die Jünger es erwartet hätten. Er weist sie auf sich selbst hin. Auf das, was ihnen schon als Vertrauensfähigkeit gegeben ist. Jesus führt uns weg von unserem üblichen Bewerten, Bewerten, Bewerten: Stärkerer oder schwächerer Glaube. Er sagt uns, dass es keinen stärkeren oder schwächeren Glauben gibt, und zeigt dies durch ein Bild auf, das einen Schmunzeln macht. Er lässt uns über uns selber lachen.

Damit führt er uns weg von der Angst, nicht zu genügen, von unserer ewigen Selbstreflektion und relativiert damit unsere nicht zu erfüllenden Maßstäbe. Es gibt nur einen Glauben, der vertraut, so klein dieses Vertrauen auch sei.

Es geht somit nicht um die Größe unseres Glaubens, sondern um unser gegenseitiges Vertrauen und unser Vertrauen in Gott. Es geht nicht um meinen Glauben, sondern primär um Gottes Vertrauen/Glau­ben in uns. Darauf sollen wir vertrauen. So wie wir in Gottes Liebe stehen, so stehen auch alle unsere Brüder und Schwes­tern in ihr.

Denn aus uns alleine können wir das nicht leisten: bedingungslose Liebe und daraus immer aufs Neue Vergebung, in jeder Minute und immer wieder neu. Wir können uns dem nur nähern. Immer wieder versucht Jesus, uns das nahezubringen. Ein Funke Vertrauen in die Liebe Gottes lässt Maulbeerbäume in Bewegung geraten. Aber warum erzählt uns Jesus noch zusätzlich die Geschichte vom unnützen Sklaven?

Wollen wir wie Sklaven sein, die nur ihre Schuldigkeit zu tun haben? Mit dem ersten Gleichnis kann man sich ja noch anfreunden!

Jesus will uns immer wieder hinterfragen, aus unseren Denkmustern befreien.

Denken wir nicht so: Wenn ich nur nach Gottes Willen handle, dann wird mir sicher ein Lohn – und sei es im Himmel – zuteil! Dieser oder ähnliche Gedanken sind uns wie eingewoben.

Wollen wir nicht eine Belohnung als Beweis unseres richtigen Handelns?

Und wieder sind wir ertappt! Jesus dreht unsere Argumentationskette und unser Denken einfach um. Er will uns damit wahrscheinlich sagen: So wie Gottes Liebe uns ganz „gratis“ geschenkt ist, so haben wir sie auch „gratis“ weiterzugeben. Das nach unseren Möglichkeiten, auch ganz im Kleinen. Warum sollen wir belohnt werden, wenn wir ein Geschenk bekommen. Ist das nicht schon Lohn genug? Und so schließt sich der Kreis zum ersten Gleichnis: Denn wenn wir warten würden, bis wir so bedingungslos lieben könnten wie Gott, dann kämen wir erst am Jüngsten Tag zum Handeln. Also kein: Hätte ich nur einen stärkeren Glauben, wenn ich doch nur besser wäre, wenn ich absoluter vertrauen könnte, … Sondern es geht nur in der Reihenfolge: Vertrauen in die uns allen bedingungslos geschenkte Liebe Gottes und daraus nach unseren Möglichkeiten bedingungslos handeln und sei es senfkorngroß. Es geht um wechselseitiges Vertrauen.

Roger Schutz sagt dies so: „Lebe das, was du vom Evangelium begriffen hast, und wenn es auch noch so wenig ist, aber lebe es.“

Emanuela von Branca ist Diöze­san-Dombaumeisterin und leitet das Bauamt im Erzbischöflichen Generalvikariat.

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