Vom Aufstand der Frauen in der Kirche

Die Journalistin Christiane Florin kritisiert, dass Frauen von der Priesterweihe ausgeschlossen sind

Die Leitung des Katholischen Forums – Pater Jürgen Heite (l.), Karin Stump (2. v. l.) und Siegfried Modenbach – hieß die Journalistin Christiane Florin willkommen. Foto: Körner

 

Dortmund. Die Schlagzeile im Onlineportal des Kölner Express Anfang Februar ließ Christiane Florin (Jahrgang 1968) dann doch erstaunen. „Revolution im Kölner Dom“ habe dort in markigen Worten gestanden, berichtete die Autorin des Buches „Weiberaufstand in der Kirche“ zum Auftakt ihres Vortrages beim Katholischen Forum. Den Anlass für die sensationell klingende Meldung empfand sie dann aber doch, wie die Journalistin ausführte, eher ernüchternd. Es wurde berichtet, dass nun auch Domschweizerinnen und nicht mehr nur Männer für die Ordnungsdienste in dem Gotteshaus zugelassen seien.

von Theo Körner

So begrüßenswert das auch sein möge, meinte die Redakteurin für Religion und Gesellschaft beim Deutschlandfunk, gehe diese Änderung an der eigentlichen Forderung vieler Frauen vorbei, dass nämlich die Kirche ihnen auch die Priesterweihe ermöglichen solle. In den Interviews, die der Dompropst zu seiner Entscheidung anschließend gegeben hat – aber auch in vielen anderen Aussagen von Klerikern – fällt Florin nach eigenen Aussagen immer ein Muster ganz besonders auf, ein gönnerhaftes Verhalten der männlichen Kirchenoberen. Von einer Gleichberechtigung der Frau könne keine Rede sein. In der katholischen Kirche „definieren geweihte Männer, was Frauen wollen und weisen ihnen ihre Rolle zu“.

Während ihres Vortrages vor rund 200 Besuchern, zu denen Frauen wie Männer zählten, verdeutlichte sie, dass die Päpste von Johannes Paul II. bis auch zum jetzigen Kirchenoberhaupt Franziskus immer wieder den Ausschluss der Frauen vom Priesteramt sehr deutlich herausgestellt hätten. Die „Nichtweihe“ werde sowohl zu einem Identitätsmerkmal der Kirche als auch zu einer Glaubensfrage. Die Begründung laufe meist da­rauf hinaus, dass es heiße, Jesus sei ein Mann gewesen und die Apostel auch. Zudem gehöre es zur Tradition, dass nur Männer für das Priesteramt bestimmt seien.

Die Redakteurin setzte dagegen klare Akzente, indem sie darauf verwies, dass Jesus mit Frauen sehr wohlwollend umgegangen sei. Eine solche Gleichbehandlung sei zu damaliger Zeit nicht unbedingt üblich gewesen. Aber diese Haltung habe schon die frühe Kirche nicht beibehalten und später hätten Priester und Bischöfe davon nichts mehr wissen wollen.

Zuzugestehen sei sicherlich, dass auch in anderen Religionen, Kulturen und Gesellschaften Frauen häufig als minderwertig gelten würden beziehungsweise gegolten haben. Einen Wandel im Verständnis der Bedeutung und der Rolle von Frauen habe es über all die Jahrhunderte in der katholischen Kirche nicht gegeben, erläuterte die gebürtige Troisdorferin, die früher die Beilage „Christ & Welt“ der Wochenzeitung „Die Zeit“ leitete.

Bischöfe, mit denen sie sich unterhalten hat, ließen allerdings eine andere Sichtweise erkennen. Sie heben darauf ab, dass Frauen in der Kirche zahlreiche wichtige Dienste leisten würden. Wa­rum dann aber Frauen nicht zum Priesteramt zugelassen werden, bleibt ihr dennoch unverständlich, sagte die Autorin und erzählte von einer Begegnung mit dem inzwischen verstorbenen früheren Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz Kardinal Lehmann. Der einstige Bischof von Mainz habe nämlich gemeint – und da würden andere Oberhirten eine ähnliche Ansicht vertreten – es sei falsch, wenn sich Frauen in ihrer Kritik auf das Amt fixieren würden.

Mittlerweile sei eine äußerst bedenkliche Entwicklung bei vielen Frauen zu beobachten: „Sie verabschieden sich aus der Kirche ganz still. Aber das ruft nicht einmal mehr Empörung hervor.“ Stattdessen beobachtet Florin, dass Kleriker Bedenken und Proteste konterkarieren, indem sie fragen, ob es denn keine wichtigeren Themen zu diskutieren gebe – wie den Hunger in der Welt.

Das Argument, wonach die evangelische Kirche, in der Frauen das Pfarramt ausüben dürfen, auch nicht vor dem Mitgliederschwund gefeit sei, ist für die Referentin nicht schlüssig. Es gehe hier einfach um das Grundverständnis von Kirche. Zugleich sei damit auch die Frage nach der Macht in der Kirche verbunden, eine Macht, die Männer behalten wollen, so Florin. Dabei bedeute das Priesteramt eigentlich Dienst und Demut. Im Übrigen: dass es in der Kirche zu einem „Weiberaufstand“ kommt, hält sie selbst für eher unwahrscheinlich.

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