Vielseitige Botschaft Jesu in Werl

Eröffnung der „Hungertuch-Ansichten“ zieht über 100 Besucher an

Werl. Eine Heilige, Symbole, oder die Natur – die Umsetzung des Themas „Jesu und seine Botschaft in unserer Zeit“ wurde in den Händen der beteiligten acht Künstler zu einem bunten Reigen. So verwunderte es nicht, dass die Eröffnung der Ausstellung „Hungertuch-Ansichten“ ein voller Erfolg wurde.

Künstler und Organisatoren sorgten für eine stimmungsvolle Ausstellungseröffnung. Foto: Körtling

 

von Peter Körtling

Die Kunst-Reihe „St. Peter live“ ist ein lange etabliertes Event, das sich stets neu erfindet. Jetzt waren acht Künstler aufgefordert, auf einem Hungertuch ihre Sicht auf Jesu Botschaft heute zu verewigen (Der DOM berichtete). Diese Sicht interessierte offensichtlich, denn über 100 Besucher strömten zur Eröffnung.

Das Organisationsteam hatte für eine Veranstaltung gesorgt, die sowohl Atmosphäre wie Einsichten vereinigte. Zunächst begrüßte Gemeindereferentin Uschi Altehenger Künstler und Besucher in der stimmungsvoll beleuchteten Kirche. Dann führte sie, gemeinsam mit Ludger Lanfermann, Interviews mit den Künstlern. Die dazwischenliegenden Pausen wurde von dem international erfolgreichen Gitarristen Mateusz Goraj mit stimmungsvollen Improvisationen gefüllt, was zu der ganz eigenen Atmosphäre der Veranstaltung beitrug.

Die Künstler aus Münster, Arnsberg, Werne, Kamen und Werl unterschieden sich nicht nur inhaltlich, sondern auch in ihren Techniken: Fotograf Peter Kubath aus Werl hatte die Fotografie eines Blattes auf Leinwand übertragen. Dazu erklärte er, niemand wisse, wie Jesus denn aussah. Man wisse nur, wie Palästina heute aussehe. Doch statt zu verzweifeln, helfe ein Blick auf die Natur: Das abgebildete, herbstlich-­rote Blatt sei ebenso funktionell wie schön. Es habe einen Sommer lang Sauerstoff produziert und gebe dem Baum durch sein Vergehen neue Nahrung. Bald würden sicher neue Blätter sprießen und dieser Kreislauf gebe Hoffnung.

Elisabeth Walther aus Werne hatte ein Porträt der heiligen Elisabeth von Thüringen beigetragen. Die Acrylmalerei beeindruckt durch klare Formen und kräftige Farben. Durch ihr Wirken für die Armen, Kranken und Schwachen sei die adelige Heilige bis heute ein leuchtendes Vorbild. Die Farbsprache sei ebenfalls symbolisch: Das dominierende Blau stehe für den Mut. Die Grüntöne stünden – wenn sie auch changierten – für die Hoffnung. Die Krone verweist auf ihre hohe Herkunft, das Beginentuch zeige dagegen ihre wahre Sicht auf das Leben.

Nicola Kiesewalter, Kunstlehrerin am Ursulinen-Gymnasium in Werl, trug mit ihrem Bild „warten“ eine ganz persönliche Episode ihres Lebens in die Ausstellung: Es zeigt leere Stuhlreihen, die mit verschiedenen kleinen Symbolen versehen sind. Im Hintergrund befindet sich eine zerstörte syrische Stadt, daneben sind viele Splitter, die auf die Fassbomben verweisen, mit denen die Menschen dort vernichtet werden. Ganz vorne auf den Stühlen liegen hingegen zwei Granatäpfel, die Vertrauen und Hoffnung sowie die Verheißung auf ein Leben in Sicherheit symbolisieren. Ihre Familie hatte eine Wohnung frei, die sie an die syrische Flüchtlingsfamilie Alhamadeh vermietet hat. Im November 2015 konnte endlich der Vater Saif Eddin Mohamad nachkommen. Bis zu dessen Interviewtermin beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge verging ein Jahr. Bei diesem Termin begleitete sie ihren Mieter und das beeindruckte sie zutiefst. In aller Frühe seien sie nach Bochum gefahren, pünktlich angekommen und hätten zunächst lange gewartet. „Ich möchte das nicht als Kritik verstanden wissen“, sagt Kiesewalter. Die Mitarbeiter hätten sehr viel zu tun und seien äußerst gewissenhaft. Doch schon für sie sei die Wartezeit sehr fordernd gewesen. Wie viel schwerer müsse sie für die betroffenen Flüchtlinge, diese Menschen mit ihren Erlebnissen und Belastungen, sein, fragte sie. Als Alhamadeh endlich anerkannt worden sei und sein Leben richtig beginnen konnte, sei allen ein Stein vom Herzen gefallen. Umso schöner war es für die beiden, dass sie an dieser Ausstellungseröffnung gemeinsam teilnehmen konnten. „Meine Frau musste leider zu Hause bleiben“, erklärte Alhamadeh. Die jüngste Tochter sei gerade am Fuß operiert worden. Doch demnächst passe er auf und seine Frau werde sich die Ausstellung anschauen.

Die Möglichkeit, die Ausstellung zu sehen, gibt es an den Fastensonntagen, sowohl nach dem Gottesdienst um 11.00 Uhr sowie von 14.00 bis 16.00 Uhr. Andere Termine können mit Gemeindereferentin Uschi Altehenger vereinbart werden. E-Mail: uschi.altehenger@­propstei-werl.de oder telefonisch unter: 0 29 22/87 22 20

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