Versteckte Botschaften an die Gläubigen

Werner Ahrens untersucht Bilder in der Balver St.-Blasius-Kirche auf Hexendarstellungen

Werner Ahrens erforschte über Jahre hinweg die Hintergründe der Kreuzwegdarstellung.Foto: Kolossa

 

Balve (JK). „Das ist mehr als eine Station des Kreuzwegs“, sieht Werner Ahrens, Vorsitzender der Heimwacht Balve, viele in der Kreuzweg-Darstellung versteckte Botschaften über den Hexenwahn im 16. und 17. Jahrhundert im Amt Balve. Gemalt wurde das Bild von Heinrich Strodtmann aus Arnsberg; ursprünglich war es das Altarbild des vernichteten Nikolai-Altars. Heute hängt es links in der romanischen Apsis der St.-Blasius-Kirche.

„Der Maler hielt den Menschen damals, aber auch uns in der heutigen Zeit damit einen Spiegel vor“, hat Ahrens nach jahrelanger Forschung herausgefunden. Darin mit einbezogen hat er den Barockaltar von 1696. Zusammengefasst wurden die Ergebnisse in dem Buch: „Ein verhextes Bild und ein feuriger Altar. Eine teuflisch grausame Zeit, das 16. und 17. Jahrhundert im Amt Balve“.

Beide Kunstwerke bringt Strodtmann mit der Hexenverfolgung in Verbindung. 300 Menschen sind seinerzeit als Hexen und Zauberer in Balve verurteilt und hingerichtet worden. Rehabilitiert wurden diese am 24. Juni 2015 vom Rat der Stadt Balve. Den Antrag dazu stellte die Heimwacht am 21. Mai desselben Jahres. Werner Ahrens verschafft dieses Ergebnis Genugtuung. Und eigentlich könnte er seitdem zufrieden sein, und dieses dunkle Kapitel endlich abschließen. Doch ihm lässt keine Ruhe, was in der Pfarrkirche den Besuchern ständig vor Augen hängt – der eigentliche Sinn verdeckt von schönem Schein.

Auf 95 Seiten stellt er seine Interpretation der Dinge dar. In 16 Büchern fand er Unterstützung für seine Arbeit, die 1965 begann. Damals, als Co-Autor mit Josef Pütter für „Sauerländisches Grenzland im Wandel der Zeit“, stieß er auf den Hexenwahn, fand aber keine befriedigende Antwort. Diese fand er nach und nach, als er feststelle: „Das Bild ist aus einem Holzschnitt von Dürer und einem Kupferstich von Sadeler zusammengesetzt worden.“ Zunächst einmal ist dies keine so große Überraschung, war dies doch die Arbeitsweise vieler Künstler. Interessant aber war, welche Elemente der Maler dabei so herausragend dargestellt hat, dass sie das Bild nicht nur als Kunstwerk erscheinen lassen. Werner Ahrens ermittelte 13 Details, mit deren Deutung er dem Leser diese Kreuzweg­station in neuem Licht erscheinen lassen will.

Im zweiten Teil des Buches geht er auf den Hauptaltar ein, ein prachtvolles Exponat aus der Barockzeit, farbig gefasst von Alexander Strodtmann, einem Sohn von Heinrich Strodtmann, der das „Hexenbild“ gemalt hat. Dieser Altar ist schön anzusehen und eine Bereicherung für die St.-Blasius-Kirche. Für den geschichtlich interessierten Werner Ahrens steckte aber spätestens, als er den familiären Hintergrund erfuhr, mehr dahinter. So vertiefte er sich in den Altaraufbau vom Sockel mit roter Flamme bis zum strahlenden Stern als Bekrönung mit goldener Flamme. Er bezieht dabei die Figuren und deren farbliche Anordnung ebenso mit ein wie die Putten und auch das Bild der Hl. Dreifaltigkeit. All dies hat der Autor detailliert dargelegt.

Dabei erhebt dieses Buch aber keinen Anspruch auf das letzte Wort in dieser Frage. Werner Ahrens sieht darin vielmehr einen Anstoß jedes Interessierten, weiter zu forschen. Er ist sich sicher, dass es noch viel zu entdecken gibt. Dies machen schon Studenten des Historischen Instituts an der Uni Essen-Duisburg im Hauptseminar: „Hexenprozesse in Balve im 16. und 17. Jahrhundert.“ Das von Werner Ahrens geschriebene Buch hierzu ist zu Beginn des Semesters von Dr. Rudolf Tillmann, Heimatforscher, an den Seminarleiter Prof. Dr. Fuchs übergeben worden. Nach ersten Eindrücken von Dr. Tillmann stößt das Thema auf großes Interesse – der Seminarraum sei mit bis zu 40 Studenten überfüllt gewesen.

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