Unübertrefflich: Gottes Angebot der Liebe an uns!

Gedanken zu Lk 14,25-33

Gottes Angebot im Blick behalten, das ist unser Beitrag. Foto: Francesca Schellhaas / photocase

 

Beschenkt mit dem Liebesangebot Gottes, vermögen wir alles andere in rechter Weise zu gewichten.

von Ulrich Liehr

Die Worte, die wir heute im Evangelium hören, treffen uns hart. Wie kann das eine Frohe Botschaft sein, was Jesus da von uns verlangt? Nichts weniger als die Geringachtung der schönen Dinge und Beziehungen, die unser Leben ausmachen, erwartet er. Es ist uns Menschen wichtig, dass wir geborgen in einer Familie aufwachsen. Auch darüber hinaus wollen wir auf menschliche Beziehungen nicht verzichten. Und wie kann ich mein Leben gering achten, wenn es mir doch von Gott geschenkt und von ihm für gut befunden ist? All das hört sich überzogen, ja unmenschlich an.

Der harte und abweisende Klang der Worte Jesu kann sich verändern, wenn wir uns in Erinnerung rufen, dass der Herr selbst diesen Verzicht geleistet hat, den er jenen abverlangt, die zu seinen Jüngern gehören wollen. Für Jesus gilt nicht das alte Sprichwort, Wasser zu predigen und selbst Wein zu trinken. Er legt uns keine Lasten auf, die er selbst nicht zu tragen bereit ist, sondern geht mit gutem Beispiel voran.

Jesus ist sich bewusst, dass es etwas Schönes ist, auf das wir verzichten sollen. Er plädiert nicht für eine Geringschätzung von Ehe und Familie und von dem, was unser Leben ausmacht und positiv prägt. Und doch sagt er uns durch seine Worte und Taten: Es gibt etwas, dass größer ist als all das – nämlich das Beziehungsangebot Gottes an uns. Diese Beziehung kann niemals zerbrechen, muss jedoch von unserer Seite im Blick behalten, gepflegt und, wenn nötig, korrigiert werden.

So kann uns das Evangelium auch zu folgendem Gedanken hinführen: Es gehört zu einer guten Glaubenspraxis dazu, von Zeit zu Zeit auf dem Lebensweg innezuhalten und sich zu fragen: Was macht mein Leben wirklich aus? Bin ich auf der richtigen Spur oder habe ich einen falschen Pfad eingeschlagen? Jage ich Wichtigem nach oder ist es Beiläufiges, an das ich mein Herz gehängt habe? Das Heilige Jahr der Barmherzigkeit will uns dazu ermutigen, solche „geistlichen Pausen“ einzulegen, die uns neu auf Gott ausrichten. Auch wenn wir den Blick auf ihn verloren haben, dürfen wir auf seine Barmherzigkeit vertrauen, uns ihm in die Arme werfen und uns die Kraft schenken lassen, die Neuausrichtung auf ihn durchzuhalten und weiterzutragen im manchmal nicht einfachen Alltag.

Eine gute Hilfe dazu ist das Sakrament der Versöhnung, die Beichte. Nicht umsonst schreibt Papst Franziskus in der Verkündigungsbulle des Heiligen Jahres: „Viele Menschen suchen erneut das Sa­krament der Versöhnung, darunter viele Jugendliche, und finden in dieser besonderen Erfahrung oft den Weg, um zum Herrn zurückzukehren, um einen Moment des intensiven Gebetes zu erleben und so den Sinn für das eigene Leben wiederzuentdecken. Mit Überzeugung stellen wir das Sakrament der Versöhnung erneut ins Zentrum, denn darin können wir mit Händen die Größe der Barmherzigkeit greifen.“

Ein Theologieprofessor unserer Tage hat die Beichte einmal als „das vergessene Sakrament“ bezeichnet. Das Heilige Jahr kann eine gute Gelegenheit dazu bieten, uns dieses Angebot Gottes wieder neu ins Gedächtnis zu rufen. Denn es ist ein Geschenk, Pause machen zu können und, gestärkt durch den Zuspruch der Versöhnung, den Weg der Taufberufung weiterzugehen, welchen wir einmal eingeschlagen haben.

Diesen Weg gehen wir nicht allein. Wir gehen ihn in der Gemeinschaft der Schwestern und Brüder im Glauben. Und wir gehen ihn begleitet von Jesus selbst, der uns an die Hand nimmt und uns zum Leben in Fülle führen will.

Domvikar Ulrich Liehr ist Erzbischöflicher Kaplan und Geheimsekretär.

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