Unterschiede

Ein Kommentar von Matthias Nückel

An diesem Samstag jährt sich der Tag des Falls der Berliner Mauer zum 30. Mal. Die Bilanz zu diesem Jubiläum ist durchaus gemischt.

Foto: Ryan McGuire / pixabay

 

Zwar gibt es „blühende Landschaften“ in den östlichen Bundesländern, doch längst nicht überall. In vielen Gegenden haben die Menschen keine Arbeit und auch sonst keine Perspektive. Ganze Landstriche bluten aus, weil die jungen Menschen wegziehen. Wirtschaftlich ist die deutsche Einheit also nicht in allen Regionen besonders gut gelungen, wobei man berücksichtigen muss, dass es auch in den westlichen Bundesländern strukturschwache Regionen gibt.

Noch mehr Sorge muss das gesellschaft­liche und politische Auseinanderdriften von Ost und West bereiten. Nirgendwo ist die AfD so stark wie in den östlichen Bundesländern. Bei den jüngsten Landtagswahlen dort konnte die rechtsextreme Partei neue Rekordwerte erreichen.

Es sind – wie Untersuchungen zeigen – nicht nur Unzufriedene, welche die AfD aus Protest wählen. Vielmehr gibt es ein großes Potenzial an rechtem Gedankengut in der Bevölkerung. Und der Prozentsatz, der für rechte Parolen anfälligen Menschen, ist im Osten offensichtlich höher als im Westen. Es ist für die Politik, aber auch für die Kirchen und andere gesellschaftliche Gruppen eine große Aufgabe, hier gegenzusteuern.

Zum Jahrestag des Mauerfalls werden wir wieder Reden von Politikern hören, in denen sicher erneut darauf verwiesen wird, dass die deutsche Einheit eine Daueraufgabe ist. Vielleicht jedoch werden wir uns einfach nur daran gewöhnen müssen, dass es immer Unterschiede zwischen Ost und West geben wird. Das ist an sich gar nicht so schlimm. Schließlich unterscheiden sich auch Norddeutsche und Bayern erheblich.

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