Streitbar und großzügig

Über die hl. Emma von Lesum

Zum Namen Emma fallen einem zwei Dinge ein: Da ist zunächst mal die gleichnamige Zeitschrift, die man jedoch in katholischen Kreisen selbstverständlich eher vom Hörensagen kennt (oder?), allerdings weiß man doch, dass dies eine streitbare Frauenzeitschrift im Dienst der Emanzipation ist, weswegen sie so heißt. Emma ist die Kurzform von Emanzipation.

Der „Krüppel“ zu Füßen des Bremer Rolands. Foto: Jürgen Howaldt

 

von Claudia Auffenberg

Dann gibt es die Tante-Emma-Läden, eine aussterbende oder vermutlich schon ausgestorbene Oase der Güte und der Güter. Diese beiden Emmas tragen etwas in sich, was sich in der hl. Emma von Lesum vereinigt, die die Kirche am 3. Dezember feiert: sie war eine starke, eine großzügige und eine fürsorgliche Frau. Nun ist es bei Heiligen ja immer so, dass man nie weiß, wieviel wahr ist und wieviel Legende. Allerdings weiß man das bei Menschen, die man persönlich kennt, auch nicht immer so genau und es geht ja hier nicht um die Beweisführung vor Gericht, sondern um eine Botschaft für das eigene Leben.

Die hl. Emma wurde um 980 in Sachsen geboren und war wohl die Schwester des Paderborner Bischofs Meinwerk. Sie heiratete einen sächsischen Herzogssohn. Kaiser Otto III. schenkte dem Paar kurz nach der Jahrtausendwende den Königshof Stiepel. Emma wollte dort eine Eigenkirche errichten, also eine Kirche bauen lassen, für die sie auch den Pfarrer hätte bestimmen können, doch der Kölner Erzbischof verhinderte dies nach allen Kräften. Erst nach einer Intervention durch Kaiserin Kunigunde gelang das Vorhaben. Bis heute ist St. Marien in Bochum-Stiepel ein gern besuchter Wallfahrtsort, betreut von den Zisterziensern.

Auch in Bremen hat Emma ihre Spuren hinterlassen. Nach dem frühen Tod ihres Mannes zog sie sich nach Lesum nördlich von Bremen zurück. Als die Bremer unter Weidemangel litten, wandten sie sich an sie und Emma versprach, soviel Weideland zu stiften, wie ein Mann in einer Stunde umrunden könnte. Das rief ihren Schwager auf den Plan, der das Familienerbe zerrinnen sah, doch er machte einen Fehler. Er antwortete auf das Ansinnen mit einer Mischung aus Spott und Ironie: Wieso nur eine Stunde, warum nicht einen Tag? Emma nahm ihn beim Wort. Der Schwager saß in der Falle und versuchte, sich durch einen Kniff zu retten: Er wolle den Mann aussuchen und er wählte einen Mann ohne Beine. Nun, man ahnt ungefähr, wie die Sache ausgegangen ist: Während die Bürger in voraus­eilender Enttäuschung nach Hause gingen, segnete Emma den Mann und dieser umrundete kriechend eine unfassbar große Fläche, heute Teil der Bremer Bürgerweide. So jedenfalls erzählt man sich das in Bremen. Zu den Füßen des Bremer Rolands ist jedenfalls eine Figur zu sehen, die dieser „Krüppel“ sein soll. Für Paderborner ist noch dies wichtig: Emma ist die Mutter des Bischofs Imad, dem Stifter der Imad-Madonna.

Was ist nun die Botschaft fürs Leben? Vielleicht diese: Man darf oder sollte immer damit rechnen, dass man vom Gegenüber ernstgenommen wird.

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