Sprich nur ein Wort!

Gedanken zu Lk 7,1-10

Ein Wort reicht manchmal aus, um Heil zu werden. Foto: inkje/photocase

 

Worte vermögen viel. Sie können verbinden oder trennen, versöhnen oder Unfrieden stiften, heilen oder verletzen, retten oder verderben. Worte setzen Dinge „in Kraft“, Worte haben Wirksamkeit, ja Wirkmächtigkeit.

Das weiß auch der Hauptmann von Kafarnaum, der sich um seinen todkranken Diener sorgt. Von Jesus erhofft er sich ein Wort der Heilung. Diese geschieht auch, spielt aber beim Evangelisten Lukas eine eher untergeordnete Rolle. Ihm geht es mehr um den Glauben des heidnischen Hauptmanns, ein Glaube, der selbst Jesus erstaunt. Hier wird etwas
vorausgenommen, von dem Lukas später in der Apostelgeschichte berichtet, die Berufung von Juden und Heiden in eine einzige Gemeinschaft der Kirche.

Aber was macht diesen Glauben aus und was bedeutet das für mich heute? Der Hauptmann traut Jesus zu, dass ein einziges Wort von ihm Heil und Heilung bewirken kann. Jesus etwas zutrauen; ihm zutrauen, dass er in meinem Leben wirkt und handelt, das ist wohl die erste Herausforderung für meinen Glauben. Wenn ich Jesus zutraue, dass er in meinem Leben wirkt und handelt, heißt das ja zunächst einmal, dass ich meine eigene Begrenztheit und Hilfebedürftigkeit erkennen und annehmen kann; dass ich akzeptieren lerne, nicht alles aus eigenen Kräften und aus eigener Stärke heraus leisten zu können. Das ist häufig eine bittere Erkenntnis.

Auch meinen Glauben erarbeite ich mir nicht aus eigenem Vermögen, er wird mir geschenkt. Großer Glaube geht immer einher mit tiefer Demut. Das ist das „Herr, ich bin nicht würdig!“ des Hauptmanns. In einer Welt voller Selbstgewissheit fällt dieses Wort des Hauptmanns schwer. Aber der Glaube bleibt nicht beim eigenen Unvermögen stehen. Im Glauben traue ich Jesus zu, dass er „mein Haus betritt“ und vertraue ihm, dass er es gut mit mir meint. Es mag Zeiten und Situationen geben, in denen ich wie der Diener des Hauptmanns todkrank daniederliege, zurückgeworfen auf mich selbst, unfähig, aus eigener Kraft etwas zu tun. Da brauche ich dieses eine Wort, nur dieses eine Wort, das heilt und gesund macht. Und der Herr sagt es mir. Häufig merke ich das erst im Nachhinein, nach der Krise. Aber dass es mir Jesus sagt, darauf kann ich vertrauen.

Seit dem 10. Jahrhundert haben die Worte des Hauptmanns Eingang in die Liturgie gefunden als Vorbereitungsgebet zum Empfang der heiligen Kommunion. Aus dem „Haus“ des Hauptmanns wurde der menschliche Leib, aus dem tod­kranken Diener die menschliche Seele. „Herr, ich bin nicht würdig, dass Du eingehst unter mein Dach“: In der heiligen Kommunion greife ich mir ja nicht den Leib des Herrn als Belohnung oder gedankenlose Selbstverständlichkeit. Ich empfange ihn unverdient. Der Herr geht aus Liebe „unter mein Dach ein“ und schenkt sich mir hin. Dieses Geschenk kann ich nur in einer inneren und äußeren Haltung der Ehrfurcht und Demut entgegennehmen. „Sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund“: Dieser Teil des Gebetes drückt den festen Glauben an die Wirkmächtigkeit der Worte Jesu aus: Einmal, dass er unter den Gestalten von Brot und Wein wirklich gegenwärtig ist, und dann den Glauben daran, dass der Empfang des Sakramentes meine Seele, die ähnlich todkrank daniederliegt wie der Diener des Hauptmanns, gesund macht.

Dass der Empfang der Kommunion die Seele heilen, trösten und aufrichten kann, erlebe ich am eindrücklichsten bei schwer kranken Menschen im Krankenhaus. Aber nicht nur dort, sondern für einen jeden gilt: Die Begegnung mit Jesus in seinem Wort und Sakrament heilt.

Hartwig Trinn

Der Dipl.-Theologe hat die Gesamtleitung Seelsorge und Ethik in der St. Elisabeth Gruppe – Katholische Kliniken Rhein-Ruhr.

Diesen Artikel teilen:

Ähnliche Artikel