Schützen beten für den Frieden

In Wiedenbrück wird ein mehr als 60 Jahre altes Gelübde hochgehalten

Rheda-Wiedenbrück(wl). „Wenn ich von meiner jährlichen Gebetswache im Bergkloster Bestwig zurückkehre, fühle ich mich frei und innerlich ganz ruhig, ich komme in den drei Tagen zur Besinnung, denke viel nach und spüre, wie ich selbst eine Last abschütteln konnte.“ So beschreibt Hans Flore, ein Urgestein der Gebetswache der historischen Schützenbruderschaften des Bezirksverbandes Wiedenbrück, seine Tage im Sauerland.

Martin Bachmann (l.) und Hans Flore zeigen die Kerze, deren Zwilling im Kloster der Schwestern von Nazareth in Indien steht. Foto: Leskovsek

 

Seit 1961 fahren die Schützenbrüder aus den Schützenvereinen des Bezirksverbandes Wiedenbrück dorthin. Sie beten heute für den Frieden in der Welt und den Frieden generell. „Das kann der familiäre Frieden sein, der Frieden unter Freunden, Nachbarn, Arbeitskollegen oder Ehepartnern“, erklärt Gebetsbruder Martin Bachmann. Gebetet wird im Stundenwechsel die ganze Nacht hindurch vor dem Allerheiligsten in der Krypta des Klosters Bestwig. Das nächste Mal sind sie vom 14. bis 16. Oktober dort.

Seit 2013 gestaltet Hans Flore nun jedes Jahr zusammen mit seiner Tochter Astrid eine große Kerze, mit dem Motiv des jeweiligen Kirchenjahres, um die Gebetswache somit besser und nachhaltig zum Ausdruck zu bringen. Die erste geweihte Kerze, die während der Gebetswachen brannte, kam hinterher nach Neuenkirchen in das Altenheim St. Margareta, wo heute der erste Obmann des Gebetskreises, Johannes Peitz, lebt, damit er weiterhin mit seinen Gebetsbrüdern verbunden ist, gerade jetzt, wo es ihm gesundheitlich nicht so gut geht. Im Neuenkirchener Seniorenheim arbeiten Schwestern aus Indien. Um die Verbundenheit im Christentum auch weit über die Grenzen hinaus zu verdeutlichen, wurden im vergangenen Jahr zwei identische Kerzen angefertigt. Eine davon war für das Kloster der Schwestern von Nazareth in Indien bestimmt. Schwester Vimalmary aus Neuenkirchen hat die Kerze mit den Motiven der gebenden und nehmenden Hände und der Friedens­taube persönlich mit nach Indien genommen. Im indischen Paduapuram wurde die Kerze zum silbernen und goldenen Ordensjubiläum entzündet. Dort brennt sie nun ebenso wie das Gegenstück im Seniorenheim Neuenkirchen. „Das bedeutet für uns ein Stück Frieden über die Grenzen hinaus“, erklärt Hans Flore.

Doch warum fahren immer rund 50 Schützenbruder in das Bergkloster, um zu beten, und das in einer Zeit, wo Glaube und religiöses Handeln nicht mehr „modern“ zu sein scheinen? „Es ist ein Versprechen, dass wir gemeinsam unserem verstorbenen Bundeskanzler Konrad Adenauer im September 1955 vor seinem Abflug nach Moskau gegeben haben“, erzählt Flore. Adenauer sei damals nach Moskau gereist, um die verbliebenen Kriegsgefangenen freizubekommen. Damals haben ihm schon Gebetswachen bei seinen schwierigen Verhandlungen geholfen. Heute, wo alles gemessen, gewogen, in Daten verpackt und verglichen werde, stelle die Kraft des Gebets eine Größe dar, die sich nicht messen lasse, sagt Flore. Sicherlich wisse niemand, wie effektiv ein Gebet sei und ob es wirklich etwas bewirke. Wenn man jedoch aus dem Glauben heraus die Hoffnung schöpfen könne, dass das Gebet erhört wird, dann würde das ungemein helfen, erklärt Flore. Die Schützenbrüder der Gebetswache legen damit offen Bekenntnis für ihren Glauben ab. Sie beten für den Frieden in der Welt, für ein besseres Verhältnis der Menschen untereinander und für die Linderung von Not.

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