Schluss mit der Heuchelei

Ein Kommentar von Andreas Wiedenhaus

Wenn es um die Diskriminierung anderer Religionen geht, sind die sunnitischen Herrscher in Saudi-Arabien nicht zimperlich, das mussten gerade Christen immer wieder erfahren.

Nicht umsonst steht das Land am Golf in der Liste der Staaten, in denen Christen verfolgt und sogar mit dem Tod bedroht werden, ziemlich weit vorne. Die Hinrichtung eines schiitischen Imams hat jetzt zu extremen Spannungen zwischen dem schiitisch geprägten Iran und dem saudischen Herrscherhaus geführt.

Gleichzeitig wirft die aktuell bedrohliche Situation ein deutliches Licht darauf, mit wem sich die westlichen Staaten einlassen, wenn sie Saudi-Arabien als Verbündeten umwerben.

Dabei sind die militärischen Planspiele nicht von den wirtschaftlichen Interessen zu trennen. Die Saudis sind als schwerreiche Kunden genauso beliebt wie als Erdöllieferanten. Dabei scheint sich der Westen jedoch immer mehr eine Sichtweise zu eigen zu machen, die Probleme wie Menschenrechte oder Unterstützung von Terrororganisationen ausblendet. Es wird hier und da vorsichtig kritisiert, jedoch immer nur in einem Rahmen, der dem Herrscherhaus nicht wirklich weh tut. Heuchelei, wohin man blickt.

Vielleicht wäre es jetzt – wieder einmal – an der Zeit, dass der Westen darüber nachdenkt, mit welchem menschenverachtenden Regime man es in Riad zu tun hat.

Die entsprechenden Konsequenzen liegen angesichts der realen Situation nicht allzu entfernt; etwa die Einstellung aller Rüstungslieferungen in den Golf-Staat. Damit dürfte angesichts der bereits beschriebenen allgegenwärtigen Heuchelei nicht zu rechnen sein.

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