Rom, Paris, Herne

Die bewegte Geschichte des hl. Dionysius

Kalender oder Leben? In diesem Fall fiel die Entscheidung für das Leben. Soll heißen: Es geht in diesem Beitrag um den heiligen Dionysius, obwohl er eigentlich erst im Oktober gefeiert wird. Aber am vorletzten Sonntag hat sich in Herne die derzeit größte Pfarrei des Erzbistums Paderborn gegründet und sich unter sein Patronat gestellt.

Figur des heiligen Dionysius in Vierzehnheiligen. Foto: KNA

 

von Claudia Auffenberg

Man wird etwas spitzmundig, wenn man den Namen ausspricht, man könnte also fragen, ob es keinen Heiligen gab, der einem etwas leichter über die Lippen kommt. Und wenn man die üblichen Darstellungen sieht, auf denen der Heilige seinen Kopf in den Händen trägt, wird einem auch nicht auf Anhieb warm ums Herz. Aber die Namensfindung war – wie üblich – ein aufwändiger Prozess, bei dem viele vieles bedacht haben. Am Ende kann man auf gut westfälisch ausrufen: Ach, kumma da!

Der heilige Dionysius wurde im dritten Jahrhundert vom Papst nach Gallien geschickt, wo er Bischof im heutigen Paris war. Mit zwei Gefährten starb er um das Jahr 250 den Märtyrertod. Die Legende berichtet, dass er nach der Enthauptung seinen Kopf in beide Hände nahm, in einer nahe gelegenen Quelle wusch und sechs Kilometer Richtung Norden trug, wo er begraben werden wollte. An dieser Stelle steht heute die Basilika Saint-Denis, über Jahrhunderte die Grablege der französischen Könige. Die Kirche gilt als der Gründungsbau der Gotik, dort sind revolutionäre Änderungen im Kirchenbau zu besichtigen, etwa ein lichtdurchlässiges Triforium, eine Art Zwischengeschoss zwischen den eigentlichen Fenstern und Wänden darunter. Allerdings hat die Kirche im Laufe der Zeit auch Federn lassen müssen. Aufgrund von Blitzschäden musste im 19. Jahrhundert der Nordturm abgebaut werden, weswegen der Bau heute irgendwie unfertig aussieht.

Doch von Paris nach Herne: Im Zuge der Kirchengründungen im ostfränkischen Reich kamen Reliquien ins Ruhrgebiet und eventuell auch nach Herne. Die erste Kirche, die dort gebaut wurde, war jedenfalls ihm – Dionysius – geweiht. Durch die Reformation, die auch an Herne nicht vorbeiging, geriet dieses Patrozinium in Vergessenheit, aber bis dato ist es ausgerechnet die evangelische Kreuz-Kirchengemeinde, die ihn sichtbar hält: Ihr Pfarrsiegel zeigt den heiligen Dionysius. Und seit vorletztem Sonntag trägt auch die katholische Pfarrei den Heiligen im Siegel.

„In gewisser Weise kann ­Dionysius als Stadtpatron von Herne gelten“, hieß es in der Kanzelverkündigung, in der der neue Patron vorgestellt wurde. Was sagt einem ein solcher Heiliger nun für Gegenwart und Zukunft? Vielleicht ungefähr dies: Im Ernstfall braucht man die Hände, um den Kopf nicht zu verlieren.

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