Quadratur des Kreises

Ein Kommentar von Matthias Nückel

Seit sich die Deutsche Bischofskonferenz grundsätzlich bereit erklärt hat, Missbrauchsopfer finanziell zu entschädigen, wird darüber diskutiert, woher das Geld denn wohl kommen soll. Nun mehren sich die Stimmen, die davor warnen, die Entschädigungszahlungen aus Kirchensteuermitteln zu leisten. Doch woher das viele Geld sonst kommen soll, sagt niemand so recht.

Grafik: DagMary / pixabay

 

Man könnte sicher versuchen, die Täter zu Zahlungen heranzuziehen. Allerdings sind sehr viele der Priester, die sich des Missbrauchs an Kindern schuldig gemacht haben, bereits verstorben. Und selbst von den noch lebenden Tätern Geld einzufordern, wird nicht so leicht sein, zumal die meisten dieser Verbrechen verjährt sind. Ein möglicher langer Rechtsstreit da­rüber, ob man die Täter noch zu Zahlungen zwingen kann, dürfte in niemandes Interesse sein.

Eine für alle Beteiligten richtige Lösung zu finden, ist die Quadratur des Kreises. Man kann es drehen und wenden wie man will – letztlich landet man immer wieder beim Geld der Kirchensteuerzahler. Wenn jedoch die Gemeinschaft der Gläubigen für die abscheulichen Verbrechen von Priestern zur Rechenschaft gezogen wird, dürfte dies große Empörung hervorrufen und zu einer neuen Welle von Kirchenaustritten führen.

Die evangelische Kirche geht einen anderen Weg. Auch sie will den Opfern helfen, lehnt aber hohe Entschädigungen, wie sie in der katholischen Kirche diskutiert werden, ab. Begründung: Dies könnte „zwangsläufig zu Auseinandersetzungen über die Beweisbarkeit von Sachverhalten“ führen, „also genau zu den Verfahren, die die Betroffenen über lange Zeit stark belasten und retraumatisieren würden“.

Auch das ist ein Standpunkt, der nicht überall auf Zustimmung stoßen wird.

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