Patronin der Zahnärzte

Die Attribute von heiligen Märtyrern sollen ja eigentlich auf deren Leiden hinweisen. Doch beim Anblick der Apollonia wird man auch an eigenes Martyrium erinnert und rutscht – zumindest in Gedanken – gleich ein wenig tiefer in den Behandlungsstuhl. Sie ist die Patronin der Zahnärzte und wird nun ausgerechnet mit einer Zange in der Hand dargestellt. Aua …

Apollonia-Statue in Helmern. Am 9. Februar erhält sie einen besonderen Platz. Foto: Patrick Diermann

 

von Claudia Auffenberg

Doch was auch immer einen Mitteleuropäer zu Beginn des 21. Jahrhunderts beim Zahnarztbesuch heimsuchen könnte, es ist natürlich nichts im Vergleich zu dem, was Apollonia erlitten hat – und was andernorts heute Menschen immer noch erleiden: brutale Gewalt bis hin zum Tod und dies aufgrund ihres Glaubens an Christus.

Über Apollonia ist wenig bekannt, es kursieren diverse Legenden aus unterschiedlichen Epochen, die aber drei Dinge gemeinsam haben: Sie lebte im dritten Jahrhundert in Ale­xandria, also Ägypten, erlitt das Martyrium und dies im hohen Alter. Die noch junge Kirche kannte die Version, dass sie gemeinsam mit anderen Opfer eines Pogroms wurde, ein aufgehetzter Mob holte die Christen aus ihren Häusern, es kam zu massiven gewalttätigen Übergriffen, Apollonia wurde der Kiefer zertrümmert, weitere Details ersparen wir uns an dieser Stelle.

Wichtiger ist ja auch die Frage: Welche Bedeutung haben die Biografien dieser Heiligen für die Menschen und ihre Sorgen von heute? Der Name Apollonia dürfte heute weitgehend ausgestorben sein, vielleicht heißen ein paar ältere Ordensschwestern noch so, jüngere Menschen denken vermutlich eher an Mondmissionen oder Tafelwasser. Und bei Zahnschmerzen geht man heute zum Zahnarzt, meistens auch schon vorher regelmäßig, damit es erst gar nicht zu Schmerzen kommt.

Aber es gibt ein paar Kirchengemeinden im Erzbistum mit ihrem Patronat, zum Beispiel in Helmern im Dekanat Büren-Delbrück. In der dortigen Kirche gibt es zwei Apollonia-Darstellungen: eine Figur und ein Fenster; am Patronatsfest wird die Figur an einen besonderen Ort gestellt und geschmückt. Aufgrund dieser Verehrung ist auch der örtliche Seelsorger gefordert, sich zu positionieren und einen Anknüpfungspunkt zur Gegenwart zu finden. Pastor Raphael Schliebs ist seit zwei Jahren auch für Helmern zuständig. Sein Anknüpfungspunkt an die Heilige ist ihre Standhaftigkeit. „Auch heute ist das Bekenntnis zu Christus oder zum Engagement in der Kirchengemeinde nicht immer leicht“, sagt er und erzählt von einem jungen Mann, der ihm berichtet habe, dafür im Freundeskreis belächelt zu werden. Das ist natürlich eine andere Kategorie als körperliche Gewalt, aber auch damit muss man irgendwie umgehen. Im vergangenen Jahr hat Schliebs bei der Firmung die Jugendlichen in St. Apollonia ermutigt, sich nicht beirren, sondern durch das Wort Jesu stärken zu lassen. Dazu hat er auch auf die heilige Agatha, deren Figur in der Kirche steht, und den heiligen Blasius hingewiesen – zwei Nachbarn Apollonias im Heiligenkalender.

Alle drei wurden oder werden bei speziellen Leiden angerufen, der heilige Blasius ist dank des Segens noch besonders populär. Auch in Helmern werden die Gläubigen mit einer Apollonia-Reliquie gesegnet. Ist das heute im Zeitalter der modernen Medizin noch zeitgemäß? Irgendwie nicht, möchte man sagen, aber die Sehnsucht des Menschen nach Heilwerdung, nach Zuwendung und Ermutigung bleibt wohl immer aktuell.

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