Papst und Peperoni

Die sieben Wünsche des ehemaligen Dompastors

Foto: Ansgar Hoffmann

 

Dompastor ist ein Amt, das es eigentlich nicht gab. Monsi­gnore Alois Schröder hat es sieben Jahre in einer Weise ausgefüllt, dass man es fast nach ihm benennen könnte: „Domschröder“. Am vorletzten Sonntag ist er während eines Gottesdienstes aus dieser Aufgabe verabschiedet worden (Der DOM berichtete). Seine Predigt schloss er mit sieben Wünschen, mit denen er zum Ausdruck bringen wollte, „was mich persönlich bewegt und, so denke ich, nicht nur mich“.

von Msgr. Alois Schröder

Ich wünsche, dass wir eine stets einladende Kirche sind, in der Menschen Heimat und Geborgenheit finden, ein menschliches Zuhause, und Gott auf die Spur kommen können.

Ich wünsche uns, dass wir immer wieder den Tisch des Wortes und des Brotes so reichlich decken, dass die Menschen Nahrung für ihr Leben finden können. Papst Franziskus sagt: „Häufig verhalten wir uns wie Kontrolleure der Gnade und nicht wie ihre Förderer. Doch ist die Kirche keine Zollstation, sie ist das Vaterhaus, wo Platz ist für jeden mit seinem mühevollen Leben“ (Evangelii Gaudium, „EG“, 47).

Ich wünsche, dass in unserer Kirche eine offene und angenehme Atmosphäre herrscht, in der sich Priester und Laien mit Respekt und gegenseitiger Wertschätzung begegnen, fair miteinander umgehen und streiten und kein Laie das Gefühl bekommt, von eines einzelnen Klerikers Gunst und Gnade abhängig zu sein. Der Apostel Paulus schreibt im Philipperbrief: „ [] in Demut schätze einer den anderen höher ein als sich selbst. Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auf das der anderen“ (Phil 2,3 f.).

Ich wünsche uns, dass die ökumenische Zusammenarbeit als Mehrwert und gegenseitige Bereicherung erlebt und geschätzt wird und nicht als Verlust der eigenen Identität befürchtet wird.

Ich wünsche uns, dass in unserer Kirche, vor allem bei den Verantwortlichen, das Vertrauen lebendig bleibt, auch heute noch Menschen für Christus gewinnen und junge Menschen für ein Leben im Priester- und Ordensstand oder in einem kirchlichen Beruf begeistern zu können.

Ich wünsche uns auch, dass wir uns als Kirche bei der Auslegung und Anwendung von gesetzlichen und moralischen Regelungen bewusst bleiben, dass wir selbst eine Gemeinschaft von Heiligen und von Sündern sind und stets der Reinigung bedürfen, wie es in der Kirchenkonstitution des zweiten Vatikanums gesagt wird (LG 8).

Schließlich wünsche ich uns allen, dass uns nie die Freude an Gott und am Leben ausgeht. Die Worte von Papst Franziskus stehen im Raum: „Es gibt Christen, deren Lebensart wie eine Fastenzeit ohne Ostern erscheint“ (EG 6). Oder noch einprägsamer: „Manche Gläubige kommen daher, wie eine in Essig eingelegte Peperoni.“

Alles in allem gilt: Das Gebot der Liebe ist das Grundgesetz alles christlichen und kirchlichen Tuns! So wird mir mein Primizspruch vom Anfang meines priesterlichen Dienstes neu bewusst: „Bleibt niemand etwas schuldig; nur die Liebe schuldet ihr einander immer“ (Röm 13,8)! Und das Tag für Tag neu!

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