Nächstenliebe an Heiligabend

Gastronomin hilft seit Jahren zu Weihnachten

Hamm. An Weihnachten stehen die Harmonie und die gemeinsame Zeit mit der Familie und den Lieben im Mittelpunkt. Der Kirchenbesuch und das festliche Essen sind feste Rituale, die dazugehören. Es gibt aber viele, für die Weihnachten nicht schön ist. Diesen Menschen hilft Brigitte Brauckhoff.

Weihnachtsfreude für alle Menschen - das Ziel wird in Hamm verfolgt. Foto: Körtling

 

Gutes Essen, Geschenke und glückliche Momente: Das ist die Weihnachtsrealität für viele. Es gibt aber auch Armut und Einsamkeit, die gerade an den Festtagen besonders wehtun. Brigitte Brauckhoff, die Pächterin der Kurhaus-Gastronomie in Hamm, hilft seit Jahren den Menschen, die an den Festtagen eigentlich keinen Grund haben, fröhlich zu sein.

So war es auch in diesem Jahr wieder: Insgesamt 162 Menschen – junge und alte, kranke und arme aus ganz Hamm – waren im Spiegelsaal des Kurhauses zu Gast. Zunächst wurden die Gäste am frühen Nachmittag mit einer festlichen Kaffeetafel begrüßt.

Dann folgte auch ein stimmungsvolles Programm: Das Bläserensemble und der Jugendchor der städtischen Musikschule boten gekonnt vorgetragene weihnachtliche Musik. „Muck“ Weiland, der langjährige Vorsitzende des Hammer Seniorenbeirats, zeigte Entertainer-Qualitäten: Er begrüßte alle Gäste und erwähnte besonders die Familien aus Syrien und Mazedonien, die hier die deutsche Weihnachtstradition kennenlernen wollten. Daraufhin erhob sich lauter Applaus und dann stimmte Weiland, gemeinsam mit den Besuchern, bekannte Weihnachtslieder an.

Später folgte ein leckeres Weihnachtsessen mit Rinderrouladen, Rotkohl und allem „drum und dran“. Ehrenamtliche Kellner hatten für jeden Wunsch ein offenes Ohr – und Kaffee, Limonaden und andere Getränke flossen reichlich. Das einzige Tabu bei dieser Veranstaltung ist Alkohol: „Zum einen sind unter den Besuchern auch Suchtkranke, zum anderen möchten wir es nicht erleben, dass angetrunkene Leute ausfällig werden“, sagt Brauckhoff. Wer jedoch nicht auf sein Bier verzichten möchte, kann auf alkoholfreies „ausweichen“. Für jeden Besucher steht nach der Veranstaltung noch eine Nikolaus-­Tüte bereit, die mit leckeren Sachen prall gefüllt ist.

Solch eine Veranstaltung ist ohne die Hilfe vieler Ehrenamtler auch für Brauckhoff nicht zu stemmen: Sie sammelt bereits lange vor Weihnachten Spendenzusagen, die dann kurzfristig umgesetzt werden müssen. Vor der Veranstaltung wird eingedeckt, die Tüten werden gepackt, es wird gekellnert, gespült und auch ein Fahrdienst für Kranke wird organisiert. Diesmal halfen 16 Personen, und die meisten von ihnen sind überzeugte „Wiederholungstäter“. „Ich bin jedes Mal begeistert, wenn ich die Freude der Gäste sehe“, sagt Heinz-­Rüdiger Kaldewey. Der Bankkaufmann im Ruhestand hilft gemeinsam mit seiner Frau seit Jahren auf dieser Veranstaltung. Ebenso geht es der Familie Röhrborn: Vater, Mutter und die drei erwachsenen Töchter sind seit Langem überzeugte Helfer. „Wir alle sind Ärzte und können nicht klagen“, sagt der Vater, der als Chefarzt eines Hammer Krankenhauses eine bekannte Persönlichkeit ist. Das Helfen bei dieser Feier sei für die ganze Familie der Inbegriff des Weihnachtsgedankens.

Die Freude ist den Gästen wie den Helfern stets anzumerken: Als ein alter, offensichtlich obdachloser Mann an der Küchentür ausruft: „Vielen lieben Dank. Es ist alles so herrlich hier, da habe ich nichts zu meckern“, da freuen sich die spülenden Helfer – wie der an diesem Tag ehrenamtlich tätige Kurhaus-­Koch Oliver – wie kleine Kinder. Wenn am Abend alle gehen, gibt es noch viele weitere Beispiele: Ein kleines syrisches Mädchen von fünf Jahren, das zuvor beim Abräumen eifrig geholfen hat, drückt und herzt die Ehrenamtler, dass diese ihre Rührung kaum verbergen können. „Diese Erfahrungen machen dankbar“, erklärt Martina Pleines, die zum ersten Mal mithalf.

Mit einem Lächeln war auch Brauckhoff selbst kontinuierlich im Einsatz. „Für mich ist es ein Geschenk“, freut sie sich darüber, mit so vielen Menschen Heiligabend verbringen zu dürfen und ihnen eine Freude bereiten zu können.

Wenn die Gäste gegangen sind und alles gespült wurde, dann sitzen die Helfer mit der Gastgeberin zusammen und essen selbst. Dabei wird die Veranstaltung reflektiert, über Privates gesprochen und viel gescherzt. Das hat einen besonderen Charme.

Im Sommer läuft der Pachtvertrag der Gastronomin aus. Aber das soll nicht das Ende sein, erklärt Brauckhoff. Wenn alles so klappt, wie sie es plant, soll die Veranstaltung auch nächstes Jahr wieder stattfinden. „Derzeit suche ich einen passenden Ort“, sagte sie mit einem Lächeln.

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