Musste das so sein?

Geistlicher Glaubensimpuls

Wenn man in der Bibel blättert, dann kann man auf die Idee kommen, dass der liebe Gott nicht immer nur lieb ist, sondern manchmal durchaus eine Zumutung. Es gibt Geschichten, in denen er sich überhaupt nicht um Anstandsregeln kümmert und Menschen dadurch ziemlich in Bedrängnis bringt.

Foto: Corinna Dumat / pixelio.de

 

von Claudia Auffenberg

Der heilige Josef ist so einer. Die Geschichte ist bekannt: Ihn konfrontiert Gott mit einer Verlobten, die auf einmal schwanger ist – nicht von ihm … Na, toll! Ist doch klar, was Josef jetzt denkt und wie es womöglich die Fantasie der Nachbarn anheizt! Da könnte man den Herrn durchaus kritisch fragen: Also wirklich, musste das sein? Hätte man das nicht irgendwie eleganter lösen können?

Was würde Gott wohl auf diese Vorwürfe antworten?

Vielleicht ungefähr dies: „Nee, hätte man nicht! Ich brauchte einen Mann, der gerecht ist, also einen mit Herzensbildung, mit Gespür für die Wahrheit der Liebe; einen, der unterscheiden kann zwischen dem, was richtig ist, und dem, was sich gehört. Und einen, der den Mut hat, sich im Zweifel für das Richtige zu entscheiden und nicht nur dann, wenn alles glatt läuft, wenn alles in Ordnung und geregelt ist. Ich brauchte einen, der sich auch in der Unordnung zurechtfindet, der auf holperiger Strecke nicht gleich die Balance verliert. So einen findet man nur, wenn ein bisschen Durcheinander herrscht und der ,Kandidat‘ selbst entscheiden muss, was richtig ist, weil es gut ist.“

Das ist natürlich eine spekulative Antwort, die nicht von Gott kommt, sondern von einem Menschen. Aber man fragt sich doch gelegentlich, wie wohl die Atmosphäre im Elternhaus Jesu war. Wie sind sie dort mitei­nander umgegangen? Wer bzw. was hat den jungen, den jugendlichen Jesus geprägt? Viel steht darüber nicht in der Bibel, auch Josef ist eher ein Nebendarsteller, der irgendwann einfach verschwindet und nicht mehr auftaucht. Doch das Wenige ist sehr aussagekräftig. Und wenn man das einfach mal ernst nimmt, dann kann man den Eindruck gewinnen, dass es Gott eher auf ein reines Herz als auf eine reine Weste ankommt. Und das hat doch insgesamt etwas Erleichterndes, vielleicht sogar Befreiendes.

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