Monatliches Requiem für Verstorbene

Der Pastorale Raum Schwerte trägt der rückläufigen Zahl bei Trauergottesdiensten Rechnung

Schwerte. In den vergangenen Jahren hat der Wunsch nach heiligen Messen vor der Beisetzung in der Pfarrei St. Marien in Schwerte kontinuierlich abgenommen. Und doch ist es der Gemeinde ein Bedürfnis, im Rahmen einer besonderen Messe der Verstorbenen zu gedenken und für sie zu beten. Deshalb bietet die Pfarrei ab Februar jeweils an jedem letzten Donnerstag im Monat die Abendmesse zum Gebet für die Verstorbenen der Gemeinde an.

„Der Umgang mit Sterben, Tod und Begräbnis nimmt immer mehr einen anderen Stellenwert in unserer Gesellschaft ein“, stellt Pfarrer Hans-Peter Iwan fest. Foto: Plamper

 

von Elisabeth Plamper

„Wie vieles derzeit in der Kirche befindet sich auch unsere Bestattungskultur im Wandel. Der Umgang mit Sterben, Tod und Begräbnis nimmt immer mehr einen anderen Stellenwert in unserer Gesellschaft ein“, sagt Pfarrer Hans-Peter Iwan, Leiter der Pfarrei St. Marien Schwerte. „Wir bemerken zum Beispiel, dass zu Begräbnissen immer seltener ein Requiem für die Verstorbenen erbeten wird. Das ist natürlich besonders schmerzlich, wenn die Verstorbenen selbst regelmäßige Kirchgänger waren und ihnen die Feier der Eucharistie offensichtlich etwas bedeutet hat.“

„Uns ist es wichtig, dass nun in der heiligen Messe am letzten Donnerstag im Monat in der Pfarrkirche St. Marien an die Verstorbenen der vorangegangenen Wochen noch einmal in besonderer Weise gedacht wird“, so Iwan. Dazu werden dann innerhalb der regulären Gemeindemesse einige Elemente besonders gestaltet. „Zu Beginn verlesen wir die Namen der Verstorbenen und zum Kyrie wird die Osterkerze, das Symbol für Tod und Auferstehung, angezündet“, erklärt der Pfarrer. „In den Fürbitten werden die Verstorbenen ebenfalls berücksichtigt und nach der Kommunion mit einem ausgewählten Gebet ihrer noch einmal gedacht.“ Eine besondere Einladung zu dieser Messfeier erhalten die Angehörigen der Verstorbenen beim Kondolenzbesuch mit einem Text und einem Bild, mit Hinweis auf die Kreuzigung Jesu und die Auferstehung. „Leben und Tod gehören zusammen. Beides muss gestaltet werden“, so der Seelsorger.

Die Gründe für den Rückgang der Totenmessen seien schwer zu definieren. „Es ist aber zu beobachten, dass in Gebieten, die nicht so stark katholisch geprägt sind, die Zahl der Requiems stärker rückläufig ist“, erläutert Iwan. Das mag vielleicht auch damit zusammenhängen, dass es viele Familien mit Angehörigen unterschiedlicher Konfessionen gibt. Es falle aber auch auf, dass im Gegensatz zum ländlichen Raum gerade in Städten und stadtähnlichen Gebieten öfter auf die Totenmessen verzichtet wird. „Das kann mit der Anonymisierung in den Ballungsräumen zusammenhängen. Denn Beisetzungen werden zunehmend auch in aller Stille oder nur im engsten Familienkreis vorgenommen. Außerdem hat der Gottesdienst allgemein nicht mehr den Stellenwert wie früher in der Gesellschaft“, sagt Pfarrer Iwan.

Die heilige Messe für die Verstorbenen ist offen für alle. So können beispielsweise auch Freunde und Bekannte, die an den Bestattungen nicht teilnehmen konnten, der Verstorbenen gedenken und für sie beten. „Für uns Katholiken ist die Feier der Eucharistie der deutlichste Ausdruck der Hoffnung auf das ewige Leben und der Gemeinschaft mit dem auferstandenen Christus im Angesicht des Todes und somit der eigentliche Höhepunkt des christlichen Begräbnisses. Es wäre schön, wenn auch diejenigen Hinterbliebenen, denen Kirche und Gottesdienst selbst vielleicht nichts mehr bedeuten, so viel Toleranz aufbringen, dass sie für ihre Verstorbenen eine heilige Messe mitfeiern, weil diesen der Gottesdienst zu Lebzeiten etwas bedeutet hat“, wünscht sich Pfarrer Iwan für die Zukunft.

Der erste Gottesdienst für die Verstorbenen findet am Donnerstag, 23. Februar 2017, in der Pfarrkirche St. Marien, Haselackstraße 22, statt.

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