Mit wenig Aufwand viel sparen

Gemeinden im Erzbistum Paderborn liegen beim Energiesparen ganz weit vorn

Erzbistum. 300 Gebäude im Erzbistum Paderborn – Kirchen, Pfarrheime, Pfarrhäuser und Kindergärten – wurden im Rahmen der Energieoffensive bisher begutachtet. Dabei hat sich gezeigt: Schon mit wenig Aufwand lässt sich viel sparen – sowohl schädliche Emissionen als auch Geld. Und auch mit kleinen Maßnahmen können Gemeinden etwas zur Bewahrung der Schöpfung beitragen.

Holzpellets - auch mit der Versorgung aus nachwachsenden Rohstoffen bleibt Energiesparen wichtig. Foto: Grey59/pixelio

 

von Matthias Nückel

Die Kirchengemeinde St. Ale­xander in Schmallenberg versorgt die Kirche, das Alexanderhaus, das Pfarrhaus und ein Wohnhaus bereits seit 2004 klimafreundlich über einen Holzpelletkessel und ein Nahwärmenetz mit Wärme. Während die vier einzelnen Erdgaskessel, mit denen die Gebäude zuvor beheizt wurden, zusammen 355 kW Leistung erzeugten, sind es beim Holzkessel jetzt nur noch 250 kW.

Für diese Maßnahme waren größere Umbauarbeiten notwendig. Im Kirchplatz wurde ein 140 Meter langes Wärme­leitungsnetz verlegt. In der Kirche wurde auf eine Warmluft-Heizungsanlage umgestellt. Die Kirche wird im Winter auf 10 Grad beheizt und rechtzeitig zu den Gottesdiensten auf angemessene Temperaturen gebracht. Früher wurden diese über eine hohe Kesselleistung und lange Aufheizphasen bereitgestellt, was viel Gas verbrauchte. Heute kommt die Leistung für die Aufheizphasen zusätzlich zum Heizkessel aus vier Pufferspeichern. Diese Speicher mit je 1 600 Litern werden in Zeiten mit niedrigem Energiebedarf wieder aufgeladen, sodass der Pelletkessel in langen Takten durchlaufen kann. Das entspricht dem optimalen Brandverhalten der Pelletkessel und spart Energie. Während vor 2014 ein Erdgasverbauch von 270 000 kWh im Jahr für die vier Gebäude benötigt wurde, wird der Wärmebedarf heute mit rund 55 Tonnen Holzpellets gedeckt. Ein weiterer, umweltfreundlicher Vorteil: Die Lieferentfernungen für Holzpellets sind in Schmallenberg sehr kurz. Nadelholz wächst in ausreichenden Mengen und im Umkreis von 40 Kilometern gibt es drei namhafte Pellethersteller.

Es müssen jedoch nicht nur immer die großen Umbauten sein, um Energie zu sparen. „Es war eine schöne Erkenntnis der Gebäude­untersuchungen, dass auch mit kleineren Maßnahmen etwas zu erreichen ist“, betont Nikolas Müller von der Fachstelle Energieoffensive in der Zentralabteilung Bauamt des Erzbischöflichen Generalvikariates. Mit 25 Prozent der Kosten aller möglichen Maßnahmen lassen sich 55 Prozent der Energiekosten einsparen. „Ein Austausch von Pumpen zum Beispiel oder ein hydraulischer Abgleich, damit die Wärme im Haus gleichmäßig verteilt wird, erfordern relativ geringe Investitionen“, erläutert Müller. Die Energieersparnis jedoch ist groß.

In der Pfarrgemeinde St. Maria Salome in Höxter-Ovenhausen zum Beispiel wurden die Glühbirnen im Pfarrheim durch Energiesparlampen ersetzt. An den Heizungen im Pfarrheim wurden sogenannte „Behördenventile“ angebracht, die zwar dreh-, aber nicht verstellbar sind. Zur Nutzung der Heizung gibt es eine Erläuterung. Die Kirchennutzung wurde ebenfalls verändert. Für Wortgottesdienste gibt es eine Winterkapelle: Der Bereich unter der Orgelempore wird im Winterhalbjahr für werktägliche Wortgottesfeiern mit geringer Besucherzahl genutzt.

Manchmal geht es nicht einmal vorrangig darum, Energie zu sparen, sondern Folgekosten zu verringern, wie Nikolas Müller erklärt. So gab es in den Kirchen St. Johannes Baptist und St. Nikolaus in Rüthen Glühlampen, die in der Kirche in großer Höhe angebracht waren. Die Beleuchtung war schlecht und jedes Jahr gab es Defekte, sodass die Birnen ausgetauscht werden mussten. Dafür mussten Gerüste aufgebaut werden, was hohe Kosten verursachte.

Durch eine neue Beleuchtung werden die Kirchen nun besser ausgeleuchtet und der Stromverbrauch wurde verringert. Vor allem aber wird durch die längere Lebensdauer der neuen Leuchtmittel der Arbeitsaufwand für die Auswechslung der Lampen minimiert, was wiederum erhebliche Kosten spart.

Insgesamt steht das Erzbistum Paderborn mit seiner Energieoffensive im Vergleich zu anderen gut da. Das belegen die vorläufigen Ergebnisse. Während von der Energieagentur NRW begutachtete Kirchen pro Quadratmeter im Durchschnitt pro Quadratmeter für Wärme rund 160 kWh benötigen, liegen die ersten 200 im Rahmen der Energieoffensive des Erzbistums begutachteten Kirchen bei etwa 110 kWh. Die zuletzt begutachteten weiteren 100 Kirchen in der Erzdiözese kommen sogar auf nur 90 kWh. Ähnlich groß sind die Unterschiede bei Pfarrhäusern, Pfarrheimen, Kindergärten oder Bürogebäuden. Auch beim Stromverbrauch liegen die 300 kirchlichen Gebäude im Erzbistum deutlich unter den Vergleichsgebäuden der Energieagentur.

Jetzt hat das Erzbistum Paderborn die Förderrichtlinien für die Energieoffensive geändert, um noch stärker auf die Bedürfnisse der Gemeinden einzugehen.

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