Mit leichtem Fuß

Gedanken zu Mk 6,7-13

Wer sich radikal an Jesus bindet, gewinnt eine innere und äußere Freiheit.

Unterwegs im Namen des Herrn? Vielleicht ungefähr so! Der Fotograf hat dieses Bild betitelt mit: „Dancing in the street“ – Auf der Straße tanzen. 
Foto: tinvo/photocase

 

von Christhild Neuheuser

Die Anweisungen Jesu bei der Aussendung seiner Jünger sind so klar und eindeutig, dass sie nicht erläutert, sondern nur befolgt werden müssen:

  • Auf Jesus hören. Von ihm sich senden lassen, gemeinsam im Zweierteam

  • Sich nicht mit Gepäck belasten

  • Hilfsmittel reduzieren (nur Sandalen und Wanderstab)

  • Gastfreundschaft annehmen

  • Sich nicht festsetzen, sondern unterwegs bleiben

  • Bei Ablehnung einfach weitergehen

  • Wort und Tat zusammenhalten

Das alles war damals und ist heute einfach zu verstehen, aber nicht einfach zu vollziehen. Damals wie heute wird eine solche Zumutung nur von denen angenommen, die sich radikal an Jesus Christus binden, die sich von ihm in innere und äußere Freiheit führen lassen. Weil die Zwölf alle Wege Jesu mitgegangen sind, seine Predigt gehört, seinen Alltag geteilt, seine Krankenheilungen gesehen, seine Ablehnung in Nazareth miterlebt haben, wissen sie, was es heißt, das Reich Gottes zu verkünden und mit dem eigenen Leben zu bezeugen. Von Jesus bevollmächtigt setzen sie schon zu dessen Lebzeiten seine Sendung fort, wie sie es dann auch nach seinem Tod, nach Ostern und Pfingsten getan haben.

Und wir heute, wie gehen wir mit solch herausfordernden Anweisungen um? Oft kommt allzu schnell der Einwand: „Wir leben in anderen Zeiten, unter anderen Bedingungen.“ Oder: „Das muss im übertragenen Sinn verstanden werden.“ Dabei besteht die Gefahr, den Worten Jesu die Kraft zu nehmen, ihre grundsätzliche Aussage und zeitlose Bedeutung zu überhören oder wegzuerklären. Doch diese Aufforderungen gehören zum Kern seiner Botschaft, sind Voraussetzungen für die wahre Nachfolge Christi.

Von den Fischern, die Jesus beruft, erwartet er, dass sie „ihre Netze loslassen“ (Mt 4,19 f.); von dem reichen Mann, dass er sein Geld den Armen gibt (Mt 19,21) und jene, die sich allzu voreilig selbst zur Nachfolge anbieten, warnt er, dass sie sich bei ihm auf Heimatlosigkeit und Abschied von ihrer Familie einlassen müssen (Lk 9,61). Wer in Jesu Nähe gerufen wird, sein Leben und seine Sendung teilen möchte, der kommt in kein Wellnessprogramm, sondern in eine Freundschaftsbeziehung, in der irdische Werte zweitrangig werden, in der Verzicht als Befreiung erlebt wird.

Was könnte das für die Glaubensboten von heute bedeuten? Würde Jesus sie vielleicht auf diese Weise ansprechen:

  • Hört so in die Welt, in die Menschen hinein, dass ihr darin meine Stimme hört und die Weisung meines Vaters erkennt!

  • Ich bin es, der euch sendet und in euch mit Vollmacht wirkt. Erwartet nicht mehr von euch selbst als ich von euch erwarte!

  • Geht nicht als Einzelkämpfer, sondern zusammen, schenkt euch gegenseitig Hilfe und Korrektur!

  • Geht als Originale, geist­erfüllt, unverkleidet und ungeschminkt, mit reduziertem Gepäck an Technik, Methoden, Papieren!

  • Bleibt nah an den Menschen, traut ihnen Gutes zu, habt Mut zu euren leeren Händen!

  • Seid Pilger und klebt nicht an Orten, Ämtern, Titeln, Geld, Verehrern.

  • Wundert euch nicht über Ablehnung, geht frei und fröhlich weiter zu anderen!

  • Helft, heilt und salbt mehr mit euren Taten als mit euren Worten.

Glaubensboten, die in Freundschaft mit Jesus leben, gehen mit leichtem Fuß, ärgern sich selten, singen und tanzen gern und wissen, was der ­Psalmist meint, wenn er sagt: „Sie werden beim Reigentanz singen: All meine Quellen entspringen in dir“ (Ps 87,7).

Zur Autorin:

Sr. Christhild Neuheuser ist Oberin im Mutterhaus der Schwestern der Christlichen Liebe in Paderborn.

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