Mit dem Blick für das Wesentliche

Aus Bibelstellen sind mit der Nähmaschine außergewöhnliche Kunstwerke entstanden

Langenberg (wl). Mit der traditionellen Art der Quilt-Herstellung in Verbindung mit künstlerischem Geschick und dem Auge für das Wesentliche haben 33 Frauen aus Lippetal und dem Großraum Münster außergewöhnliche Kunstwerke geschaffen. Die Ausstellung des kfd-­Bibelprojektes zum Thema „Frauen.Macht.Bibel.“ ist noch bis zum 10. Februar in der Cafeteria des Altenheimes St. Antonius in Langenberg zu sehen.

Präsentieren in Langenberg ihre Kunstwerke (v. l.): Elvira Tork (Salzkotten), Anni Strumann (Herzfeld), Margarete Langwald (Heimleitung), Pastor Olaf Loer und Monika Sehr (Münster) bei der Ausstellungseröffnung.Foto: Leskovsek

 

Gezeigt werden 33 Quilts in der Größe von 60 mal 80 Zentimeter mit begleitenden Texten und Erläuterungen zu ausgewählten Bibelstellen aus dem alten und neuen Testament. Zur Eröffnung der Ausstellung waren auch drei Künstlerinnen vor Ort. Monika Sehr aus Münster erzählte den Anwesenden, wie es zu dieser Wanderausstellung, die bereits im Dom zu Münster zu sehen war, gekommen ist.

Im Sommer 2015 bekamen die Frauen von der katholischen Frauengemeinschaft Münster aus Anlass des 100-jährigen Bestehens 33 Bibelsprüche, die per Los an die mitwirkenden Frauen der Lippetal-­Quilter und aus verschiedenen Gemeinden Münsters vergeben wurden. Die Texte wurden erörtert, die Frauen setzten sich mit den ihnen zugewiesenen Bibelstellen auseinander und überlegten sich, wie sie diese umsetzen können. Voraussetzung waren die Einhaltung der Grundmaße sowie die Einarbeitung der Silhouette der Künstlerin im linken Bildrand als Veranschaulichung, dass die Frauen selber in das biblische Geschehen schauen.

Monika Sehr ist begeistert von dem Ergebnis. „Wir sehen Frauen wie die mutige Debora, die Hebammen von Ägypten, die Königin Waschti als selbstbewusste Frau oder aber Noomi, Ruth und Orpa, die ihren Weg gehen“, erklärt sie. Schon im Alten Testament sei deutlich geworden, dass die Frauen für Gleichberechtigung gekämpft hätten.

Besonders interessant sind die vielen verschiedenen Materialien der Quilts und die Art der Umsetzung. Jeder Quilt hat eine andere Handschrift. Einige Künstlerinnen haben sich ziemlich genau an den Bibeltext gehalten und ihn bildlich umgesetzt. Andere haben ganz abstrakt gearbeitet, sodass der Betrachter zunächst lesen muss, bevor er versteht, warum die Umsetzung so erfolgte.

Eine Teilnehmerin hat mit kleinen Mosaiken gearbeitet und daraus ihr Werk gestaltet. Eine weitere Dame hat komplett ohne Nähmaschine gearbeitet und alles in akribischer Kleinarbeit von Hand aufgenäht. Wiederum andere haben sich moderner Techniken bedient – wie dem Aufbügeln von Schriftzügen oder dem Ein­arbeiten von Fotografien ebenfalls mit einer Bügeltechnik. Perlen, Steinchen, Strass, Bänder, Fransen und vieles mehr wurden ebenfalls als Materialien verwendet.

Wie lange die Frauen an ihren Arbeiten gesessen haben, ließe sich nicht sagen, erzählte Sehr. Einige hätten von 50 Stunden gesprochen, andere von deutlich mehr. Das sei dabei aber auch nicht wichtig gewesen. Alle hätten am Ende gesagt, dass ihnen die Ausei­nandersetzung mit den Bibelstellen, die Interpretation und die Umsetzung sehr viel gebracht hätte. Manches würden sie nun anders verstehen.

Langenberg ist die fünfte Station der Ausstellung. Zum Abschluss geht sie nach Heiligenstadt.

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