Maria und Josef im Flüchtlingslager

Gemeinde in Verl setzt auf Zelte statt Fachwerk

Im Flüchtlingszelt ist die Heilige Familie in Verl untergekommen.

 

Verl (jon). Der Notunterkunft der Flüchtlinge in Schloß Holte-Stukenbrock nachempfunden hat die Gemeinde St. Anna in Verl die Krippe in ihrer Kirche. Statt im traditionellen Stall mit ostwestfälischem Fachwerk erhielt die heilige Familie in Verl Obdach in einem Flüchtlingszelt. Bis zum 24. Januar ist die Krippe noch zu sehen.

Als Hintergrund für die Krippe wählte die Gemeinde ein Bild des jordanischen Flüchtlingslagers Zaatari im Norden Jordaniens. Nur sechs Kilometer von der syrischen Grenze entfernt leben dort 85 000 Menschen. Davor sind Silhouetten von Menschen auf einem Flüchtlingstreck postiert, die ähnlich wie die Hirten und Könige auf dem Weg zur heiligen Familie sind.

Die Idee zu der neuen Krippengestaltung hatte Pfarrer Hermann-Josef Hölscher angesichts der von den Vereinten Nationen geschätzten 60 Millionen Flüchtlinge weltweit. Umgesetzt wurde die Idee von Michael Humpert, Meinolf Bathe, Josef Frickenstein und Josef Cord to Krax. Michael Humpert, von Beruf Raumausstatter, hat die 1,80 Meter breiten Zelte mit viel Liebe zum Detail gebaut.

Viel Aufmerksamkeit erfährt die Krippe auch, weil sie im Dezember im Bistumskalender abgebildet war – natürlich in der traditionellen Form. Aber auch die alternative Gestaltung spricht sich herum, ist oft erklärungsbedürftig, trifft aber fast nur auf Zustimmung, berichten die Macher.

Die Weihnachtsgeschichte sei „keine alte, keine ferne Es-war-einmal-Geschichte, sondern eine Geschichte im Hier und Jetzt, die uns heute – aktueller denn je – betrifft“, erklärt die Gemeinde. Wie die heilige Familie damals, machten sich heute Väter und Mütter mit ihren Kindern auf den Weg und erlebten es, „dass sie keine Herberge finden, niemand sie aufnehmen will“. „Dann steht die Krippe vielleicht in einer Turnhalle oder in einer Zeltstadt.“ Die Hirten seien dann „junge Männer aus Afghanistan und Eritrea, die mit Tränen in den Augen sehen, dass hier mitten in der Fremde neues Leben und damit Hoffnung beginnt“. Und die Weisen aus dem Morgenland seien Menschen aus dem Abendland: „Die Nachbarin, die sich einen Teddy unter den Arm klemmt, die Helferin der Caritas, die eine Erstausstattung fürs Baby besorgt hat, der Übersetzer, der der jungen Familie weiterhilft.“ „Und damit ist Jesus, ist Gott nicht weit weg, sondern hier bei uns, in unserem Leben präsent.“ – Mehr Infos unter www.pastoralverbund-verl.de

Diesen Artikel teilen:

Ähnliche Artikel