Mahnung für Europa

Ein Kommentar von Matthias Nückel

Papst Franziskus stammt aus Argentinien, doch er ist auch ein großer Europäer. Das wurde jetzt bei der Verleihung des Karlspreises an den Papst wieder einmal sehr deutlich.

In seiner Ansprache nahm Franziskus kein Blatt vor den Mund. Er gab den anwesenden Politikern einige Mahnungen mit auf den Weg. Der Papst kritisierte deutlich den zunehmenden nationalen Egoismus in Europa. Er sprach jenen ins Gewissen, die Flüchtlinge nicht aufnehmen wollen. Aber Franziskus kritisierte auch, dass Europa zu wenig gegen die Verletzung von Menschenrechten unternimmt.

Seine Wünsche an den alten Kontinent fasste der Papst in einem Traum von Europa zusammen. Ob sich dieser erfüllt, ist mehr als fraglich – zumindest zum derzeitigen Zeitpunkt. In fast allen europäischen Ländern wächst der Nationalismus. In Polen und Ungarn gibt es schon rechts-nationale Regierungen. Immer mehr Franzosen wählen die rechte „Front National“. Die Briten entscheiden in Kürze über einen Austritt aus der EU, wobei der Ausgang des Referendums offen ist. Und in Deutschland bekommt die AfD immer mehr Zulauf.

Das alles sind keine guten Aussichten für ein Europa, wie es sich Papst Franziskus vorstellt. Eher ist zu befürchten, dass in vielen politischen Fragen das Gegenteil von dem eintritt, was sich der Papst wünscht.

Ob sich dieser negative Trend umkehren lässt, liegt in der Hand der Regierenden – vor allem in den Kernländern der EU. Die Mahnung des Papstes sollte ihnen dabei Leitschnur sein. Die politischen Lösungen aber müssen sie selbst finden.

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