Macht gerade seine Straßen!

Gedanken zu Lk 3,1-6

Foto: Rainer Sturm / pixelio

 

Advent ist die Zeit, Berge abzutragen, die dem Kommen des Herrn entgegenstehen.

von Elsbeth Bihler

Es ist wieder Advent. Schon der zweite. Die Zeit rennt, wir kommen kaum hinterher. Wie jedes Jahr mögen wir uns fragen: Was bleibt dabei von der Vorfreude auf Weihnachten, was bleibt von der Besinnung, die wir uns dafür doch eigentlich vorgenommen hatten?

Leben wir noch selbst oder werden wir getrieben? So mögen sich viele in der Adventszeit fühlen.

Und dann hören wir die vertrauten Worte im Advent: „Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! [] Jede Schlucht soll aufgefüllt werden, jeder Berg und Hügel sich senken []“ Klar, kennen wir doch, da können wir doch schnell wieder zum Alltag zurückkehren. Aber irgendwas lässt mich dann doch aufhorchen: „Stimme eines Rufers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn! [] Jede Schlucht soll aufgefüllt und jeder Berg und Hügel abgetragen werden. []

Da ist doch etwas anders – dank der neuen Einheitsübersetzung! Die Stimme, die da in der Wüste ruft, wird auf einmal personifiziert: Da ist ein Rufer. Und dann: Bisher senkten sich Berg und Hügel immer von selbst und auf einmal sollen sie abgetragen werden?

Fragt sich doch: Wer ruft und wer trägt ab, um Gott, um Jesus eine Möglichkeit zu geben, bei uns in unserer heutigen Zeit, in unserem Leben anzukommen? Mir scheint, plötzlich haben die Dinge eine intensivere Aufforderung an mich, etwas dafür zu tun, dass dem Herrn der Weg bereitet wird. Dass er kommt, daran besteht kein Zweifel. Und da fängt es auch schon an. In der ersten Lesung steht: „Sie freuen sich, dass Gott an sie gedacht hat.“ Da schon frage ich mich: Wie groß ist meine Freude darüber eigentlich und wie nehme ich es wahr, dass Gott an mich denkt?

Und ist die Aufgabe nicht viel zu groß für mich? Die Berge und Hügel, die krummen Wege, die ich in der Welt sehe – Ungerechtigkeit in der Welt, Kriege und Elend – neu geschürter Hass und Fremdenfeindlichkeit in unserem Land – wie soll ich dagegen ankämpfen? Klar, ich kann ja erst mal bei mir anfangen und die Ungereimtheiten in meinem Leben gerade rücken – aber reicht das? Und sind meine Kräfte nicht viel zu gering für die anderen Berge und Hügel?

Einen kleinen Hinweis gibt mir die zweite Lesung: Ich danke für eure Gemeinschaft im Dienst am Evangelium“ und: „Immer, wenn ich für euch alle bete, bete ich mit Freude.“ Das heißt für mich: Ich muss es ja gar nicht alleine schaffen, die Berge abzutragen und in die Wüste hineinzurufen. Da sind die, die mit mir auf dem Weg sind, die für mich beten und ich für sie; dankbar dafür, dass sie da sind.

Das gibt Kraft, das stärkt. Und so können wir mit Johannes gegen alle Widrigkeiten immer wieder neu und nicht nur im Advent rufen: „Gott hat ein Interesse an euch, an uns allen, an der Welt! Er kommt zu jedem von uns!“ Es ist an uns, diese Botschaft in die Wüsten unserer Welt und unseres Lebens hineinzurufen. Und es ist an uns, die Berge und Hügel abzutragen, damit Gott eine Chance bekommt. Gemeinsam viele kleine Steine, damit sich keiner überhebt und zusammenbricht.

Und so wünsche ich Ihnen einen guten zweiten Advent und viel Freude darüber, dass Gott zu jedem von uns kommen will, und Erfolg beim Bemühen, Berge und Hügel abzutragen, wo auch immer!

Zur Autorin:Elsbeth Bihler ist Gemeinde­referentin im Pastoralen Raum Schwerte.

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