Libori ohne Schrein?

Geistlicher Glaubensimpuls

Wenn man zu Libori im Dom sitzt und zusieht, wie die Träger den über 200 Kilogramm schweren Libori-Schrein im Altarraum die Treppen hoch- und runterwuchten, dann wird einem immer etwas bang ums Herz: Hoffentlich stolpert da jetzt niemand!

von Claudia Auffenberg

Es kostet – nicht nur zu Libori, sondern gelegentlich auch im richtigen Leben – ungemein Kraft, das Heilige, das Gute, das Haltgebende an seinen Platz zu bringen, es so zu präsentieren, dass es für alle sichtbar und erkennbar ist, vielleicht sogar zur Mitte wird.

Wir sind gerade in solchen kraftzehrenden Tagen: Tage, an denen man um 20.00 Uhr den Fernseher ausschalten möchte. Kommen wir, kommt unsere Gesellschaft gerade ins Stolpern? Nach jedem Anschlag hört man die gleichen Sätze: „Wir lassen uns unseren Lebensstil, unsere Werte nicht nehmen: offene Gesellschaft, Bürgerrechte, Religionsfreiheit, Feste, die Freude am Mitei­nander …“ Das alles kann man nicht mehr hören. Und man will es auch nicht mehr hören.

Andererseits: Was könnte die Alternative sein? Libori ohne Schrein, weil einer stolpern könnte? Ein Leben ohne Freude, weil Gefahr droht? Nein, das geht auch nicht!!! Das eine wäre kein wirkliches Libori-Fest und das andere wäre kein wirkliches Leben. Also, den Schrein bitte und her mit der Freude. Ja, es ist mühsam. Aber es muss sein.

Ein paar Tage vor Libori hat der Schrein den Dom verlassen, erstmals seit 20 Jahren wieder. Tausende Jugendliche aus Frankreich und Deutschland machten auf dem Weg zum Weltjugendtag Station in Paderborn. Zum Gottesdienst auf dem Schützenplatz kam auch der Schrein (siehe nächste DOM-Ausgabe) – für den Paderborner an sich ein wirklich herzerwärmendes Erlebnis. Und auch dies: Tausende Jugendliche mit ihren Bischöfen, Deutsche und Franzosen beten und feiern und machen sich dann gemeinsam auf den Weg nach Polen. Das ist Europa. So muss es sein. So kann es sein. Ganz leicht. Wir haben es erlebt!

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